Interview mit Maria Lutz

WIT: Hallo, Maria, bitte erzähle uns doch einmal kurz von dir persönlich.
Maria: Aufgewachsen bin ich im Allgäu zwischen Bergen und Kabel im Elektrogeschäft meines Vaters. Beides sind nun meine Leidenschaften. Ich gehe gerne wandern und vor allem bin ich begeistert von meinem dualen Studium für Elektrotechnik. Meine motivierende und unterstützende Art hat mich und andere in Teamarbeiten schon oft vorangebracht. Auch im Ehrenamt in der Johanniter Jugend engagiere ich mich viel, hier werde ich oft für meine herausragende Disziplin und Zielorientierung gelobt.

WIT: Was machst du beruflich?
Maria: Ich mache die Ausbildung zur Elektronikerin für Betriebstechnik und mein Studium Elektrotechnik zeitgleich. Das Modell nennt sich Verbundstudium und dauert insgesamt 4.5 Jahre.

WIT: Wie bist du dazu gekommen, einen technischen Beruf zu wählen?
Maria: Mein Vater ist Elektroinstallateur mit einem Ein-Mann Betrieb. So bin ich schon früh mit Handwerk und Elektrotechnik in Berührung gekommen. Mit 14 Jahren war ich der Meinung nie etwas auf diesem Gebiet machen zu wollen. Später musste ich mir dann doch eingestehen, dass mir das Handwerk sehr viel Spaß macht. Die Entscheidung ob ich Elektrotechnik oder Medizin studiere, traf ich an einem Berufsinformationsabend an meiner Schule. Hier erzählten Ehemalige der Schule von Ihren Erfahrungen, dabei konnten mich die Vertreter der technischen Berufe mehr begeistern

WIT: Wer oder was hat dich am meisten inspiriert, einen technischen Beruf zu wählen?
Maria: Mein Papa

WIT: Hat dich Technologie schon immer interessiert?
Maria: Durch den fast täglichen Kontakt mit dem Thema Elektrotechnik wuchs mein Interesse immer mehr. Ich würde jetzt nicht behaupten, dass das von Klein auf meine Passion war.

WIT: Haben deine Eltern und Lehrer deine Vorliebe und dein Interesse für Technik gefördert?
Maria: Meine Eltern auf jeden Fall. Sie fördern, fordern und unterstützen mich in allen Themen. Die Lehrer eher nicht, meine technischen Fragen in Physik z.B. wurden selten beantwortet. Ich hatte durch diverse Aussagen von Lehrern oft das Gefühl, dass es nur die Zukunft Studium gibt, Ausbildung und Handwerk wurden oft klein geredet und nicht als Option vorgestellt.

WIT: Was gefällt dir an deiner Tätigkeit am meisten?
Maria: Das vielfältige Spektrum an Themen und die Abwechslung von Theorie und Praxis. Außerdem hat man viele beruflichen Möglichkeiten, vom einsamem Programmierer bis hin zum großen Team. Mit einem guten Basiswissen und Begeisterung für ein Thema kann man sich auch immer weiterbilden und neue Themen für sich entdecken.

WIT: Was ist für dich das Schönste an deinem Arbeitsalltag?
Maria: Aktuell arbeite ich im Bereich industrielle Bildverarbeitung mit und habe sowohl programmierlastige Tätigkeiten als auch praktische Aufgaben, in denen ich Versuche aufbauen und durchführen darf. Ich bin auch ein großer Fan von geregelten Arbeitszeiten.

WIT: Wo findet man dich in der Freizeit am ehesten?
Maria: Bei Aktionen der Johanniter Jugend, draußen bei sportlichen Aktivitäten oder eingekuschelt auf meinem Sofa mit einem guten Buch und einem Tee in der Hand.

WIT: Welche Botschaft möchtest du Frauen oder Mädchen mitgeben, die sich für Technik interessieren?
Maria: Habt Vertrauen in euch selbst und zeigt was ihr könnt. Ihr habt unzählige Möglichkeiten und es macht sehr viel Spaß. Lasst euch nicht von Kommentaren wie: “Das ist aber ziemlich schwer; du weißt schon, dass da nur Männer arbeiten; das ist doch nichts für Mädchen” abschrecken.

WIT: Welchen Ratschlag verfolgst du bis heute?
Maria: Im Leben muss man auch mal dicke Bretter bohren.

WIT: Welchen Herausforderungen begegnest du als Frau in deinem Beruf?
Maria: Manchmal fühlt man sich in männerdominierten Teams wie eine Außerirdische. Wenn dann Sätze kommen wie: “Heute müssen wir uns zusammenreißen, eine Frau ist bei unserem Meeting dabei!”, kann man nur erahnen wie die Konversation ohne mich ablaufen würde. Es braucht einige Zeit bis man den Humor und die Umgangsweise von manchen Männern nachvollziehen kann.

WIT: Welche Tipps hast du für Bewerbungsgespräche für technische Positionen?
Maria: Sei selbstbewusst, habe Selbstvertrauen und kenne deine Stärken. Dann kann schon nichts schiefgehen.

WIT: Frauen in technischen Berufen sind ja leider noch eine Minderheit. Was sind deine Gedanken zu diesem Thema?
Maria: Ja leider. Ich merke oft in Projekten, dass eine weibliche Sicht und Meinung fehlt. Hier sind die Teams zu homogen. Frauen in technischen Berufen müssen sichtbarer werden, um als Inspiration und Vorbild für junge Frauen dienen. Denn oft entscheidet man sich für einen vertrauten Beruf, den man selbst schon kennt oder den jemand empfiehlt. Außerdem müssen Mädchen und junge Frauen einfach mit der Materie in Kontakt gebracht werden und dazu müssen Rollenbilder aktiv überdacht werden.

WIT: Bitte beschreibe eine schwierige Situation, der du in deinem Beruf in der Vergangenheit begegnet bist.
Maria: Die kam immer Zustande, wenn ich mir unsicher war und dachte, ich kann das nicht. In meiner Ausbildung hatte ich den Grundkurs Mechanik. Für Feilen und Bohren konnte ich mich nicht erwärmen, diese Wochen waren für mich der absolute Horror. Für meine Abschlussarbeit musste ich einen Kasten mechanisch bearbeiten – also wieder bohren, feilen, und so weiter. Ich war so unsicher, hatte keinen Spaß und wollte, dass es nur vorbei ist. Ich nahm mich zusammen und dachte – im Leben muss man auch dicke Bretter bohren! Es wurde am Ende kein Meisterwerk, aber ich war stolz auf mich. Ich hatte die Aufgabe gerockt.

WIT: Wohin möchtest du dich zeitnah beruflich und persönlich weiter entwickeln?
Maria: Beruflich möchte ich nach meinem Bachelor einen Master draufsetzten. Persönlich wachse ich gerade an und mit meinem Podcast und versuche das Thema Sichtbarkeit anzugehen.

WIT: Wer sind deine persönlichen oder beruflichen Role Models?
Maria: Mein Lateinlehrer, dieser gab mir viele hilfreiche Lebenstipps und vertrat klar seine Werte.

Du möchtest erfahren, wie du deine Ziele / Gipfel setzt und wie du diese erfolgreich erreichen kannst? Dann höre den Podcast, die Gipfelstuermerinnen, den Maria mit ihrer Freundin Amelie vergangenes Jahr gestartet haben. Sie gehen unter anderem auf Stärken, Werte und Self Empowerment ein.

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