Klischee „Nerd“ in der IT – abschreckend für Frauen?

„Sie ist doch zu hübsch, um Informatik zu studieren!“, „Willst du nicht lieber etwas Soziales machen?“, „Mathematik… Kannst du das wirklich so gut?“. Diese und ähnliche toxische Aussagen schrecken Frauen von MINT-Fächer ab. Doch vieles läuft viel unterbewusster ab, weit ab von greifbaren Aussagen. So beispielsweise die Vorstellung eines Maschinenbaustudenten – ich wette, Sie denken nicht an einen glattrasierten Mann im gutsitzenden Anzug, sondern an einen schüchternen Nerd im karierten Kurzarmhemd. Solche Assoziationen spielen, wenn auch unterbewusst, bei der Berufswahl eine große Rolle.

So hat Dr. Yves Jeanrenaud eine Expertise im Auftrag der Sachverständigenkommission für den Dritten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung mit dem Titel „MINT. Warum nicht? – Zur Unterrepräsentation von Frauen in MINT,speziell IKT, deren Ursachen, Wirksamkeit bestehender Maßnahmen und Handlungsempfehlungen“ verfasst.

Dr. Jeanrenaud schreibt darin, dass die Unterrepräsentation von Frauen in MINT-Fächern nicht durch mangelndes individuelles Interesse an den dort zu behandelnden Themen liegt, sondern auf strukturelle und kulturelle Ursachen zurückgeht. Sozialstrukturelle Klassifikationen wie Milieu, Migrationshintergrund oder sozialer Status sind Einflussfaktoren für die Studien- und Berufswahl.

Des Weiteren ist es Frauen wichtig, das Image des Berufes zu kennen, um ihre Passung zu überprüfen. So fällt es jungen Frauen mit Ingeneur:innen in der Familie wesentlich leichter, sich für MINT-Fächer zu begeistern. Dadurch, dass es zurzeit leider vergleichsweise weniger weibliche Vorbilder im MINT Bereich gibt, fällt es jungen Frauen besonders schwer, sich in dem jeweiligen Beruf vorzustellen.

Dagegen wirken wir als Women In Tech e.V. mit unseren SpeakUps entgegen und stellen jeden Monat eine Frau im technischen Bereich vor.

Das Teilen der Arbeit von Dr. Jeanrenaud hat eine Diskussion in unserer Facebook-Gruppe angeregt. So haben viele Frauen geschrieben, dass sie sich viel früher für Informatik interessiert hätten, wenn sie gewusst hätten, wie viele verschiedene Jobs es in dem Bereich gibt. Oder, dass Mathematik in den meisten Tech-Jobs kein unabdingbares Muss ist. Auch wurde fehlender Informatikunterricht an Schulen bemängelt oder wenn es denn welchen gab, dass dieser nicht zielführend war. Beispielsweise gibt es Lehrende, die sich im Informatikunterricht nur gerne mit den eh schon technikaffinen Schülern beschäftigen und den Rest der Gruppe, das meist weiblich ist, zurücklassen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Lehrende, die selbst nicht all zu viel mit der IT am Hut haben und der Klasse nicht viel Relevantes beibringen können.

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