Interview mit Sophie Ischenko, Informatikerin DevOps

ca. 7 Min.

WIT: Hallo, Sophie, Bitte erzähle uns doch einmal kurz von dir persönlich.
Sophie: Ich bin Sophie, Mama von vier Kindern. Wenn ich ehrlich bin, versuche ich jeden Tag aufs Neue, Familie, Beruf und meine eigenen Projekte unter einen Hut zu bringen. Es funktioniert manchmal besser, manchmal weniger gut, aber genau das macht das Leben ja interessant.

WIT: Was machst du beruflich?
Sophie: Ich arbeite im DevOps im öffentlichen Dienst und bin nebenbei als Webdesignerin selbstständig unterwegs. Das klingt nach zwei verschiedenen Welten, ist aber eigentlich perfekt kombiniert. Im DevOps geht es darum, dass die ganzen digitalen Systeme im Hintergrund sauber laufen und nicht plötzlich anfangen, Drama zu machen, also automatisierte Prozesse, Server, Cloud-Infrastruktur, solche Sachen. Und nebenbei mache ich Webdesign, wo es um das Sichtbare geht: wie Websites aussehen, wie sie funktionieren, dass die Nutzer sich zurechtfinden. Das Gute ist: weil ich die technische Seite kenne, weiß ich auch, dass Design und Infrastruktur zusammenpassen müssen.

WIT: Was genau versteckt sich hinter deiner Berufsbezeichnung?
Sophie: DevOps ist eigentlich nur eine andere Art zu sagen: Ich sorge dafür, dass Entwicklung und IT-Betrieb zusammenarbeiten. Das bedeutet CI/CD-Pipelines, automatisierte Deployments, Monitoring, also all die Dinge, die dafür sorgen, dass Systeme stabil und skalierbar bleiben. Kurz: ich kümmere mich um die Infrastruktur dahinter, damit alles rund läuft.

WIT: Wie bist du dazu gekommen, einen technischen Beruf zu wählen?
Sophie: Das ist ehrlich gesagt nicht der klassische Weg gewesen. Ich habe meinen Bachelor mit 35 gemacht, das war eine bewusste Entscheidung, mich beruflich komplett neu auszurichten. Vorher war ich in anderen Bereichen unterwegs, aber irgendwann habe ich gespürt, dass ich etwas brauche, das mir strukturierter und zukunftssicherer ist.
Während des Studiums habe ich dann gemerkt: Ja, das ist genau meins. Logisches Denken, systematisches Problemlösen, das liegt mir einfach. Es hat klick gemacht.

WIT: Wer oder was hat dich am meisten inspiriert, einen technischen Beruf zu wählen?
Sophie: Das war vor allem die pure Logik dahinter. Die Idee, ein Problem systematisch zu zerlegen, statt sich endlos darin zu verlaufen, das hat mich gereizt. Und ehrlich? Das ist bis heute so. Mittlerweile beschäftige ich mich auch in meiner Freizeit viel mit technischen Themen, nicht weil ich muss, sondern weil ich es einfach spannend finde. Systeme verstehen, sie verbessern, weitergehen, das ist für mich nicht nur Beruf, sondern echtes Interesse.

WIT: Hat dich Technologie und/oder Programmieren schon immer interessiert?
Sophie: Ja, eigentlich schon. Aber ich hatte einfach nicht die Voraussetzungen dafür. Ich bin Anfang 2000er auf einem Dorf aufgewachsen, wir hatten lange kein DSL, Internet war gar nicht so selbstverständlich wie heute. Das hat mich natürlich gebremst. Aber das Interesse war definitiv da, es fehlte mir einfach der Zugang.

WIT: Haben deine Eltern und Lehrer deine Vorliebe und dein Interesse für Technik gefördert?
Sophie: Meine Eltern definitiv, sie haben mich unterstützt, soweit es möglich war. Die Lehrer waren da eher ein anderes Kapitel. Als Mädchen im Informatik-Unterricht wurde ich ehrlich gesagt nicht besonders ernst genommen. Die Lehrer haben mit den Jungs geredet, nicht wirklich mit mir. Das war frustrierend, aber es hat mich am Ende auch nicht entmutigt, eher das Gegenteil, es hat mich angestachelt.

WIT: Was gefällt dir an deiner Tätigkeit am meisten?
Sophie: Dass ich Probleme wirklich lösen kann. Nicht nur theoretisch darüber sprechen, sondern konkret anpacken und dann sehen: Aha, jetzt funktioniert es. Das ist unglaublich befriedigend. Und ständig dazulernen, das ist wahnsinnig toll. Auch wenn man sich dabei manchmal doof vorkommt, aber das gehört dazu.

WIT: Was ist für dich das Schönste an deinem Arbeitsalltag?
Sophie: Wenn alles läuft und keiner merkt, dass ich da war, das ist eigentlich das Idealziel (lacht). Aber auch die Vielfalt macht es für mich aus: Morgens sitze ich an Infrastructure-Problemen, nachmittags entwerfe ich eine Website. Zwei völlig verschiedene Welten – die eine unsichtbar und strukturiert, die andere kreativ und sichtbar. Diese Kombination macht meinen Job für mich wirklich rund.

WIT: Wo findet man dich in der Freizeit am ehesten?
Sophie: Im Wald. Das ist mein Ausgleich zur ganzen Bildschirmarbeit, einfach raus, Kopf frei, Natur. Das brauche ich.

WIT: Welche Botschaft möchtest du Frauen oder Mädchen mitgeben, die sich für Technik interessieren?
Sophie: Nicht unterkriegen lassen. Es wird Momente geben, in denen man sich fehl am Platz fühlt oder nicht ernst genommen wird, aber das ist kein Grund aufzugeben. Scheitern ist in der IT völlig normal, das ist nicht schlimm, das ist Teil des Lernens. Nutzt YouTube, schaut euch Tutorials an, sucht nach lokalen Gruppen, es gibt so viel Unterstützung da draußen. Ihr müsst sie euch nur holen. Und vertraut euch selbst.

WIT: Welchen Ratschlag verfolgst du bis heute?
Sophie: Neugierig bleiben, das ist das Wichtigste. Und mir hat mal jemand geraten, jeden Tag etwas IT-Technisches dazuzulernen. Klingt nach viel, ist es aber nicht. Es können fünf Minuten sein, eine kleine Challenge, ein Video. Das hat mir unglaublich geholfen, am Ball zu bleiben.

WIT: Welchen Herausforderungen begegnest du speziell als Frau in deinem Beruf?
Sophie: Dass ich immer mehr geben muss als Männer, um als annähernd gleich kompetent wahrgenommen zu werden. Das ist die harte Realität. Sowohl im Studium als auch im Job bleibt es ein ständiges Kämpfen, man muss einfach besser sein. Das ist eigentlich schade, aber so ist es nun mal.

WIT: Welche Tipps hast du für Bewerbungsgespräche für technische Positionen?
Sophie: Selbstvertrauen. Niemals zweifeln. Und vor allem: Redet euch nicht klein. Das ist das Wichtigste. Ihr habt die Skills, ihr könnt das, also verkauft euch auch so!

WIT: Frauen in technischen Berufen sind ja leider noch eine Minderheit. Was sind deine Gedanken zu diesem Thema?
Sophie: Das ist so schade. Ich sehe gerade in meiner Selbstständigkeit, wie viele Frauen sich zutrauen, mit WordPress zu hantieren, aber dann ist Schluss. Dabei sind das große Leistungen. Ich würde mir wirklich wünschen, dass sich mehr Frauen mehr zutrauen würden. Wir sind so smart, verdammt nochmal! Wir könnten so viel mehr machen, wenn wir uns selbst trauen würden.

WIT: Was verbindet dich mit Frauen in der Technik?
Sophie: Das Verständnis dafür, was wir durchmachen. Diese gemeinsame Erfahrung, sich beweisen zu müssen. Aber auch die gegenseitige Ermutigung, wenn man sieht, was andere Frauen schaffen, gibt das einem selbst Kraft weiterzumachen.

WIT: Bitte beschreibe eine herausfordernde Situation, der du in deinem Beruf in der Vergangenheit begegnet bist.
Sophie: Im Studium ernst genommen zu werden und gefördert zu werden, das war eine große Herausforderung. Man sitzt da, hat Fragen, Interesse, und trotzdem merkt man, dass man nicht wirklich wahrgenommen wird. Das zehrt. Aber es hat mich auch gestärkt, weil ich gemerkt habe: Ich muss mich selbst ernst nehmen, wenn andere das nicht tun.

WIT: Wohin möchtest du dich zeitnah beruflich und persönlich weiter entwickeln?
Sophie: Ich würde gerne mehr Frauen mit Wissen fördern können. Das ist mir wirklich ein Anliegen. Nicht nur selbst vorankommen, sondern anderen helfen, den Weg zu finden, den ich selbst gegangen bin, vielleicht ein bisschen leichter.

WIT: Wer sind deine persönlichen oder beruflichen Role Models?
Sophie: Ich orientiere mich weniger an einzelnen Personen, sondern eher an Menschen, die authentisch bleiben und ihre Leidenschaft verfolgen, egal in welchem Bereich. Das inspiriert mich mehr.

Mein Tipp an alle: Fangt an. Egal womit, egal wie klein. Die ersten Schritte sind unbequem, aber danach wird es besser. Und denkt dran: Der Wald wartet auf euch, wenn ihr den Kopf frei braucht.

 

Vielen Dank für das Interview, Sophie!

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Hanni Liebler
Ob Frontend oder Backend – Hauptsache Code! Wenn ich nicht gerade Typescript zähme, spiele ich Klavier und Bass, versinke in Büchern oder streife durch die Natur auf der Suche nach Inspiration und Heilkräutern. Technik trifft Tasten, Tastatur trifft Tannenduft – Always Look on the Bright Side of Life!
 

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