Interview mit Charlott Plett, Rechtsanwältin für IT- & KI-Recht

ca. 5 Min.

WIT: Hallo, Charlott, Bitte erzähle uns doch einmal kurz von dir persönlich.
Charlott: Ich bin Charlott, 33 Jahre alt und lebe mit meiner Familie in Münster. Ich bin Mama und gehe in meiner Freizeit gerne mit meiner Familie Toprope-Klettern.

WIT: Was machst du beruflich?
Charlott: Ich bin Rechtsanwältin und Kanzleigründerin im Bereich Datenschutzrecht, IT-Recht und KI-Recht.

WIT: Was genau versteckt sich hinter deiner Berufsbezeichnung?
Charlott: Definitiv mehr Technik als man vermutet! Ich darf genau verstehen, wie etwas technisch funktioniert und spreche mit den Entwicklerinnen und Entwicklern. Ich denke mich in die Prozesse ein, wo gehen die Daten hin, was passiert mit ihnen, um das ganze überhaupt rechtlich bewerten zu können.

WIT: Wie bist du dazu gekommen, einen technischen Beruf zu wählen?
Charlott: Mein erster Job im Studium war bei einem Internet Service Provider. Mein Chef war super toll und hat mich mit in die Rechenzentren genommen und mir alles erklärt. Da habe ich schnell gemerkt, mich begeistert diese Kombination aus Recht und IT.

WIT: Wer oder was hat dich am meisten inspiriert, einen technischen Beruf zu wählen?
Charlott: Ich denke, mein erster Job hat mich da sehr inspiriert, dass ich gerne zu etwas beitragen möchte, damit andere ihre Ideen technisch umsetzen können.

WIT: Hat dich Technologie und/oder Programmieren schon immer interessiert?
Charlott: Ja, ich fand das als Kind schon spannend, was da so alles in einem Computer passiert. Später im Studium habe ich immer bei IT-Unternehmen gearbeitet und habe immer links und rechts geschaut, was dort alles passiert.

WIT: Haben deine Eltern und Lehrer deine Vorliebe und dein Interesse für Technik gefördert?
Charlott: Mein Papa ist Informatiker und hat mir damals als Kind gezeigt, was beispielsweise ein Motherboard ist und es gab da nie dieses ,,Das ist was für Jungs“.

WIT: Was gefällt dir an deiner Tätigkeit am meisten?
Charlott: Ich mag es einfach sehr, dass ich immer die technische und rechtliche Ebene betrachten darf, um dann eine zutreffende Lösung entwickeln zu können.

WIT: Was ist für dich das Schönste an deinem Arbeitsalltag?
Charlott: Mir macht der interdisziplinären Austausch sehr viel Freude und am Ende zu sehen, dass es nun sowohl rechtlich als auch technisch funktioniert.

WIT: Wo findet man dich in der Freizeit am ehesten?
Charlott: Auf dem Spielplatz oder in der Kletterhalle.

WIT: Welche Botschaft möchtest du Frauen oder Mädchen mitgeben, die sich für Technik interessieren?
Charlott: Wartet nicht darauf, dass sich etwas gesellschaftlich ändert, sondern traut Euch, Euren Weg selbst zu gestalten. Viele haben mir gesagt, Staatsexamen mit Kind geht nicht, Vollzeitjob mit Kind geht nicht. Am Ende sind das oft limitierende Glaubenssätze der anderen und wir dürfen selbst herausfinden, was für uns und unsere Familie funktioniert.

WIT: Welchen Ratschlag verfolgst du bis heute?
Charlott: Dinge nicht aufzuschieben oder halbherzig zu machen.

WIT: Welchen Herausforderungen begegnest du speziell als Frau in deinem Beruf?
Charlott: Ich arbeite überwiegend mit Männern zusammen. Ich gehe manchmal Dinge anders an als Frau, führe Verhandlungen anders oder habe auf manche Themen einen anderen Blick. Dieses ,,anders“ ist eine Stärke und manchmal muss das Gegenüber das erst erkennen und verstehen, dass das zielführend ist.

WIT: Welche Tipps hast du für Bewerbungsgespräche für technische Positionen?
Charlott: Sich im Vorfeld klar zu machen, dass man nicht mehr Gas geben muss oder sich mehr beweisen muss als vielleicht ein männlicher Bewerber. Denn dann ist es einfach nicht das passende Unternehmen und so kann man gleichzeitig für sich selbst auch erkennen, welche Haltung dort gelebt wird.

WIT: Frauen in technischen Berufen sind ja leider noch eine Minderheit. Was sind deine Gedanken zu diesem Thema?
Charlott: Es darf schon in der Kita und Grundschule dieser Grundstein gelegt werden, dass Mädchen alles werden können, was sie wollen. Es reicht jedoch eben nicht, nur das Mädchen zu vermitteln, sondern auch Jungen dürfen das früh lernen. Und wir Frauen untereinander dürfen uns gegenseitig unterstützen und schauen, wo wir anderen eine Stütze sein können, Mut machen können und positiv bestärken können.

WIT: Was verbindet dich mit Frauen in der Technik?
Charlott: Die Überzeugung, dass Frauen mit all ihren wunderbaren Fähigkeiten in der Technik genau richtig und wichtig sind.

WIT: Bitte beschreibe eine herausfordernde Situation, der du in deinem Beruf in der Vergangenheit begegnet bist.
Charlott: Als ich eine Kanzlei aufgebaut habe, durfte ich erstmal für mich selbst herausfinden, welche Werte ich vertrete, wie ich auftreten möchte und darauf zu vertrauen, dass ich mich nicht an klassische Formate anpassen muss, um erfolgreich zu sein.

WIT: Wohin möchtest du dich zeitnah beruflich und persönlich weiter entwickeln?
Charlott: Ich möchte mich noch viel mehr im Legal Tech entwickeln und in dem Bereich Projekte umsetzen.

WIT: Wer sind deine persönlichen oder beruflichen Role Models?
Charlott: Für mich ist Nicole Büttner eine absolut inspirierende Frau. Sie war nicht von Anfang an in der Technologiebranche und ist nun eine sehr erfolgreiche Unternehmerin im KI Bereich mit einer klaren Haltung dazu. Das zeigt mir, dass  wir alles lernen können als Frauen und uns trauen dürfen, die Vorstellung eines linearen Lebenslaufs hinter uns zu lassen.

Vielen Dank für das Interview, Charlott!

Kategorien: Interviews
Hanni Liebler
Ob Frontend oder Backend – Hauptsache Code! Wenn ich nicht gerade Typescript zähme, spiele ich Klavier und Bass, versinke in Büchern oder streife durch die Natur auf der Suche nach Inspiration und Heilkräutern. Technik trifft Tasten, Tastatur trifft Tannenduft – Always Look on the Bright Side of Life!
 

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