Interview mit Anna Klara Kneller, Head of Cloud Components
WIT: Hallo, Anna Klara, Bitte erzähle uns doch einmal kurz von dir persönlich.
Anna Klara: Ich bin Anna Klara Kneller. Mein Geburtsname, Cominelli, verrät bereits meine italienischen Wurzeln, ich bin in der Nähe des Gardasees aufgewachsen. Für mein Informatikstudium bin ich nach Deutschland gekommen.
WIT: Was machst du beruflich?
Anna Klara: Ich bin seit 2018 bei der esentri AG in Ettlingen. Angefangen habe ich als Softwareentwicklerin mit Spezialisierung auf API-Management und Integration. Seit einem Jahr gehe ich den nächsten Schritt als Teamleiterin.
WIT: Was genau versteckt sich hinter deiner Berufsbezeichnung?
Anna Klara: In meiner Rolle vereine ich zwei zentrale Aufgaben: Einerseits bin ich als Senior Consultant technisch tief in der Materie. Das heißt, ich konzipiere und entwickle maßgeschneiderte Softwarelösungen direkt für unsere Kunden.
Andererseits trage ich als Teamleiterin, bei uns ‚Head of Cloud Components‘ genannt, die Verantwortung für mein Team. Hier sorge ich für die fachliche Weiterentwicklung meiner Mitarbeiter, steuere unsere Projekte und sichere die Qualität unserer Arbeit.
WIT: Wie bist du dazu gekommen, einen technischen Beruf zu wählen?
Anna Klara: Tatsächlich schlagen in meiner Brust zwei Herzen: Schon in der Schule begeisterten mich die naturwissenschaftlichen Fächer, gleichzeitig hatte ich aber auch eine große Leidenschaft für Kunst.
Ich habe mich deshalb für ein experimentelles Gymnasium entschieden, das genau diese beiden Schwerpunkte vereinte. Nach dem Abschluss wurde mir klar: Die Kunst wird immer eine wichtige Leidenschaft für mich bleiben, meine berufliche Zukunft wollte ich aber aktiv in der Technik gestalten. Das Informatikstudium war daher die logische Konsequenz meiner Begeisterung für analytisches und kreatives Problemlösen.
WIT: Wer oder was hat dich am meisten inspiriert, einen technischen Beruf zu wählen?
Anna Klara: Weniger eine einzelne Person, sondern vielmehr die Haltung meiner Eltern hat mich zutiefst geprägt. Sie haben mir von klein auf vermittelt, dass es keine „Männer-“ oder „Frauenberufe“ gibt, sondern nur die eigene Begeisterung zählt.
Dieser Grundsatz, einfach das zu tun, was mich begeistert, unabhängig von Klischees, war mein stärkster Antrieb. Da ich zudem mit zwei Brüdern aufgewachsen bin, war es für mich immer selbstverständlich, mich in einem männlich dominierten Umfeld zu bewegen und durchzusetzen. Das hat mir ein starkes Fundament für meine Karriere in der Technik gegeben.
WIT: Hat dich Technologie und/oder Programmieren schon immer interessiert?
Anna Klara: Mein Interesse für Technik im weiteren Sinne war definitiv schon immer da, also die Neugier, zu verstehen, wie die Welt und die Dinge darin funktionieren. Das reine Programmieren kam dann als logischer nächster Schritt dazu.
Ich habe schnell gemerkt, dass Programmieren nicht nur trockene Logik ist, sondern ein unglaublich kreatives Werkzeug. Es ist die Sprache, mit der man aus einer abstrakten Idee eine funktionierende, greifbare Lösung bauen kann.
WIT: Haben deine Eltern und Lehrer deine Vorliebe und dein Interesse für Technik gefördert?
Anna Klara: Absolut, aber auf eine sehr freiheitliche Art. Meine Eltern haben mich, wie schon erwähnt, vor allem darin bestärkt, meinen eigenen Interessen zu folgen, ohne mir einen bestimmten Weg vorzugeben. Ihre Förderung bestand darin, mir zu vertrauen. Bei den Lehrern hatte ich durch mein besonderes Gymnasium das große Glück, Pädagogen zu haben, die das Denken über Fächergrenzen hinweg gefördert haben. Sie haben uns gezeigt, dass ein physikalisches Gesetz genauso elegant sein kann wie ein Kunstwerk.
WIT: Was gefällt dir an deiner Tätigkeit am meisten?
Anna Klara: Am meisten begeistert mich der Weg von einer komplexen, oft unübersichtlichen Kundenanforderung hin zu einer klaren, eleganten und funktionierenden technischen Lösung.
Ich liebe diesen Prozess: Zuerst das Durcheinander zu analysieren und zu strukturieren, dann im Team kreativ zu werden, um den besten Lösungsweg zu finden, und am Ende ein Ergebnis zu sehen, das für den Kunden einen echten Mehrwert schafft. Kein Problem ist wie das andere, und diese ständige intellektuelle Herausforderung macht meine Arbeit für mich unglaublich spannend.
WIT: Was ist für dich das Schönste an deinem Arbeitsalltag?
Anna Klara: Neben der reinen Freude am technischen Problemlösen ist das Schönste für mich ganz klar die Zusammenarbeit im Team.
WIT: Wo findet man dich in der Freizeit am ehesten?
Anna Klara: Ganz klar in der Sporthalle! Ich spiele schon fast mein ganzes Leben lang Volleyball und aktuell mit viel Leidenschaft in der Oberliga bei der TSG Wiesloch. Das ist für mich der perfekte Ausgleich zum eher kopflastigen Job.
WIT: Welche Botschaft möchtest du Frauen oder Mädchen mitgeben, die sich für Technik interessieren?
Anna Klara: Meine Botschaft ist ganz einfach und kommt von Herzen: Glaubt an euch und traut euch, euren eigenen Weg zu gehen. Lasst euch niemals von Klischees oder von Leuten verunsichern, die meinen, Technik sei nichts für Frauen. Technik ist ein unglaublich kreatives und vielfältiges Feld. Wenn ihr neugierig seid und Spaß daran habt, Rätsel zu lösen und Dinge zu erschaffen, dann habt ihr alles, was man braucht.
WIT: Welchen Ratschlag verfolgst du bis heute?
Anna Klara: Ich folge bis heute dem Ratschlag, den mir meine Eltern mitgegeben haben und den ich auch selbst weitergebe: ‚Geh deinen eigenen Weg und tu, was dich begeistert.‘
WIT: Welchen Herausforderungen begegnest du speziell als Frau in deinem Beruf?
Anna Klara: Die größte Herausforderung ist ehrlicherweise ein hartnäckiges, oft unausgesprochenes Vorurteil: die Tendenz, Frauen in der Technik zu unterschätzen und ihre Fähigkeiten stärker infrage zu stellen als die von männlichen Kollegen.
WIT: Welche Tipps hast du für Bewerbungsgespräche für technische Positionen?
Anna Klara: Mein wichtigster Tipp ist, zweigleisig zu fahren:
Zum einen müssen die technischen Fähigkeiten absolut sitzen und selbstbewusst präsentiert werden, da gibt es keinen Unterschied zu männlichen Bewerbern.
Zum anderen rate ich Frauen, gezielt den Mehrwert hervorzuheben, den sie als Person in ein oft homogenes Team einbringen. Das kann eine andere Herangehensweise an die Problemlösung sein, ein kommunikativer Stil, der die Teamdynamik verbessert, oder eine neue Perspektive, die Innovation fördert.
WIT: Frauen in technischen Berufen sind ja leider noch eine Minderheit. Was sind deine Gedanken zu diesem Thema?
Anna Klara: Ich sehe das als eine verpasste Chance für die gesamte Branche. Technische Innovation lebt von Vielfalt, von unterschiedlichen Denkweisen, Erfahrungen und Perspektiven.
Homogene Teams neigen dazu, in den gleichen Mustern zu denken. Wenn Frauen fehlen, fehlt ein riesiges Potenzial für Kreativität und umfassendere Lösungen. Die Ursachen sind tief in der Gesellschaft verankert, von frühen Rollenbildern bis hin zu fehlenden Vorbildern. Deshalb ist es so wichtig, dass wir präsenter werden, junge Mädchen ermutigen und zeigen, dass Technik ein unglaublich spannendes Feld für absolut jeden ist.
WIT: Was verbindet dich mit Frauen in der Technik?
Anna Klara: Wir kennen die gleichen Herausforderungen, wie die subtile Notwendigkeit, uns doppelt beweisen zu müssen, aber wir teilen auch die gleiche Leidenschaft für das, was wir tun. Es ist ein starkes Band des gegenseitigen Respekts und der Unterstützung.
WIT: Bitte beschreibe eine herausfordernde Situation, der du in deinem Beruf in der Vergangenheit begegnet bist.
Anna Klara: Eine der größten Herausforderungen für mich war eine sehr positive: der Moment, als die Position der Teamleiterin frei wurde. Die eigentliche Herausforderung war dabei weniger die fachliche Aufgabe, sondern mein eigener innerer Kampf mit dem Selbstbewusstsein. Viele Kolleginnen und Vorgesetzte haben mich ermutigt und mehr an mich geglaubt, als ich es in diesem Moment selbst getan habe.
Ich habe mich bewusst entschieden, diese Herausforderung anzunehmen und meine Komfortzone zu verlassen. Ich habe mich intensiv mit den neuen Führungsaufgaben auseinandergesetzt und aktiv daran gearbeitet, in die Rolle hineinzuwachsen. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, Mut zu haben und auf die Unterstützung von außen zu vertrauen. Rückblickend war es ein entscheidender und unglaublich wertvoller Schritt für meine persönliche Entwicklung.
WIT: Wohin möchtest du dich zeitnah beruflich und persönlich weiter entwickeln?
Anna Klara: Persönlich liegt mein Fokus ganz klar auf meiner Rolle als Führungskraft. Ich möchte lernen, mein Team noch besser zu fördern, die individuellen Stärken zu erkennen und jeden Einzelnen zu befähigen, über sich hinauszuwachsen. Mein Ziel ist es, eine Mentorin und ein gutes Vorbild zu sein, zu dem man gerne aufschaut.
WIT: Wer sind deine persönlichen oder beruflichen Role Models?
Anna Klara: Meine Vorbilder sind meine Eltern. Sie haben mir die grundlegende Philosophie vermittelt, immer den eigenen Weg zu gehen und sich nicht von Konventionen einschränken zu lassen.
Beruflich lerne ich jeden Tag von den Menschen in meinem direkten Umfeld. Das kann ein erfahrenerer Kollege sein, von dessen strategischem Weitblick ich lerne, oder auch ein junger Mitarbeiter, der mit seinen frischen Ideen eingefahrene Denkweisen infrage stellt. Ich glaube fest daran, dass man von jedem etwas lernen kann, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht.
Vielen Dank für das Interview, Anna Klara!