Interview mit Sabrina Hota, Team Lead
WIT: Hallo, Sabrina, Bitte erzähle uns doch einmal kurz von dir persönlich.
Sabrina: Ich bin Team Lead und Senior Cloud Solution Architect, Mama, Ehefrau und lebe mit meiner Familie in Wien. Mir ist es wichtig, Technik Arbeit und Privatleben in einen guten und realistischen Einklang zu bringen. Ich schätze Struktur und Klarheit, lege aber gleichzeitig großen Wert auf Menschlichkeit, sowohl im Job als auch im Alltag.
WIT: Was machst du beruflich?
Sabrina: Ich arbeite als Team Lead für Microsoft 365 und Power Platform bei den Wiener Linien. In dieser Rolle verantworte ich gemeinsam mit meinem Team sowohl operative als auch strategische Themen – von der Einführung über den Servicedesk bis hin zur nachhaltigen Betreuung und Weiterentwicklung bestehender Tools, Komponenten, Apps und Flows.
Neben der fachlichen Arbeit liegt mein Schwerpunkt darauf, meinem Team klare Rahmenbedingungen zu geben, Prioritäten zu setzen und Kolleg:innen in ihrer fachlichen und persönlichen Entwicklung zu unterstützen. Die technische Tiefe bringe ich dabei aus meiner Rolle als Cloud Solution Architect mit.
WIT: Was genau versteckt sich hinter deiner Berufsbezeichnung?
Sabrina: Als Cloud Solution Architect liegt mein Fokus auf der inhaltlichen und technischen Verantwortung: Ich entwerfe Architekturen und Lösungen, die sich am tatsächlichen Arbeitsalltag der Menschen orientieren, übersetzte Anforderungen in umsetzbare Konzepte und achte auf Nachhaltigkeit, Sicherheit und Qualität.
Die Rolle als Team Lead ergänzt diese Perspektive. Hier geht es weniger um einzelne Lösungen, sondern darum, Zusammenarbeit zu gestalten, Verantwortung zu verteilen und ein Umfeld zu schaffen, in dem mein Team gute Entscheidungen treffen und gemeinsam wachsen kann. Für mich greifen beide Rollen ineinander: Die architektonische Sicht hilft mir in der Führung, und die Führungsrolle schärft meinen Blick für nachhaltige technische Entscheidungen.
WIT: Wie bist du dazu gekommen, einen technischen Beruf zu wählen?
Sabrina: Ich bin eher zufällig in die Technik gekommen. Nach einer kaufmännischen Ausbildung bin ich in einem Team gelandet, das sich intensiv mit technischen Themen beschäftigt hat. Parallel dazu habe ich ein BWL-Studium begonnen und schnell gemerkt, dass mir logisches Denken, Strukturen und Problemlösung besonders liegen, vor allem, weil ich Technik bereits in der Praxis erlebt habe. Das hat mich schließlich dazu gebracht, zur Wirtschaftsinformatik zu wechseln und in weiterer Folge technische Berufe zu wählen.
WIT: Wer oder was hat dich am meisten inspiriert, einen technischen Beruf zu wählen?
Sabrina: Es war weniger eine einzelne Person als vielmehr die Erfahrung, dass mir Technik viele Möglichkeiten eröffnet. Die Kombination aus kontinuierlichem Lernen, Weiterentwicklung und dem Gefühl, Dinge wirklich zu verstehen und gestalten zu können, hat mich motiviert.
WIT: Hat dich Technologie und/oder Programmieren schon immer interessiert?
Sabrina: Ja, auf jeden Fall. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich als Kind zum ersten Mal vor dem Computer meines Bruders saß und mit Paint Bilder gemalt habe. Mit zehn Jahren bekam ich dann – nach langem Betteln – meinen eigenen Computer mit Windows 98. Da das Internet damals noch sehr eingeschränkt war, habe ich mich intensiv mit den Einstellungen und Möglichkeiten des Rechners beschäftigt. Später kamen erste Webseiten mit HTML dazu. Das Interesse ist über die Jahre stetig gewachsen.
WIT: Haben deine Eltern und Lehrer deine Vorliebe und dein Interesse für Technik gefördert?
Sabrina: Meine Familie selbst hatte wenig technischen Hintergrund, aber allein die Möglichkeit, einen eigenen Computer zu haben, hat mich enorm motiviert und mir viel Raum zum Ausprobieren gegeben.
WIT: Was gefällt dir an deiner Tätigkeit am meisten?
Sabrina: Die Abwechslung. Kein Tag ist wie der andere, und ich beschäftige mich ständig mit neuen Fragestellungen – technisch, organisatorisch und menschlich.
WIT: Was ist für dich das Schönste an deinem Arbeitsalltag?
Sabrina: Wenn Lösungen wirklich funktionieren und mir Menschen rückmelden, dass ihr Arbeitsalltag dadurch einfacher geworden ist. Besonders schön ist es auch zu sehen, wie mein Team wächst, selbstbewusster wird und Verantwortung übernimmt.
WIT: Wo findet man dich in der Freizeit am ehesten?
Sabrina: Meist draußen mit meiner Familie bei Spaziergängen, beim Sport oder einfach an der frischen Luft. Bewegung hilft mir, den Kopf frei zu bekommen und neue Energie zu sammeln.
Wenn ich drinnen bin, beschäftige ich mich gerne mit kreativen und handwerklichen Dingen wie Töpfern, Nähen oder anderen kleinen Projekten. Ich baue leidenschaftlich gern mit Lego, lese Bücher oder tüftle an Home-Automatisierung, allerdings vor allem an Themen, die nicht zwangsläufig den ganzen Tag vor einem Rechner stattfinden.
WIT: Welche Botschaft möchtest du Frauen oder Mädchen mitgeben, die sich für Technik interessieren?
Sabrina: Man muss nicht alles können, bevor man anfängt. Neugier, Lernbereitschaft und Durchhaltevermögen sind oft wichtiger als perfektes Vorwissen. Sucht euch Menschen und Communities, die euch unterstützen. Austausch und Vorbilder machen einen großen Unterschied. Und es müssen nicht ausschließlich weibliche Role Models sein: Viele meiner Mentoren waren und sind Männer.
WIT: Welchen Ratschlag verfolgst du bis heute?
Sabrina: Nicht warten, bis man sich „bereit genug“ fühlt. Wachstum entsteht oft genau dann, wenn man sich etwas zutraut, obwohl man noch nicht alle Antworten hat.
WIT: Welchen Herausforderungen begegnest du speziell als Frau in deinem Beruf?
Sabrina: Sichtbarkeit und Selbstzweifel sind immer wieder Themen. Frauen hinterfragen sich häufig stärker, obwohl sie fachlich absolut kompetent sind.
WIT: Welche Tipps hast du für Bewerbungsgespräche für technische Positionen?
Sabrina: Nicht nur über Technologien sprechen, sondern auch darüber, wie man denkt, lernt und Probleme angeht. Persönlichkeit, Haltung und Lernfähigkeit sind genauso wichtig wie Fachwissen.
WIT: Frauen in technischen Berufen sind ja leider noch eine Minderheit. Was sind deine Gedanken zu diesem Thema?
Sabrina: Ich glaube, es braucht Vorbilder, Austausch und Räume, in denen Frauen sich gegenseitig stärken können. Vielfalt macht Teams besser – fachlich und menschlich. Deshalb engagiere ich mich auch aktiv, etwa bei der jährlichen „die IT-Tag“-Initiative, bei der wir in Schulen über technische Berufe sprechen, oder durch Sichtbarkeit und Mitarbeit in verschiedenen Communities.
WIT: Was verbindet dich mit Frauen in der Technik?
Sabrina: Das Gefühl, ähnliche Herausforderungen zu kennen, aber auch der gemeinsame Wunsch, Dinge positiv zu verändern und Wissen weiterzugeben. Besonders in Netzwerken wie Women in Tech oder WOMENinICT erlebe ich offenen Austausch, ehrliches Teilen von Erfahrungen und große gegenseitige Unterstützung.
WIT: Bitte beschreibe eine herausfordernde Situation, der du in deinem Beruf in der Vergangenheit begegnet bist.
Sabrina: Eine prägende Lernerfahrung in meiner beruflichen Laufbahn war eine Situation, in der ich als Technikerin mit offenem Widerstand eines Kunden konfrontiert wurde. Ich hatte ein Ticket übernommen, da eines seiner Systeme nicht erreichbar war und bin fachlich korrekt und strukturiert bei Analyse und Fehlerbehebung vorgegangen. Der Kunde wandte sich dennoch an meinen damaligen Manager und äußerte sinngemäß, ich sei „eh ein nettes Mädel“, das Thema solle aber bitte jemand übernehmen, der sich wirklich auskennt. Mein Manager hat mich in dieser Situation klar unterstützt, meine Kompetenz verteidigt und das Ticket bewusst bei mir belassen. Kurz darauf konnte ich das Problem eigenständig lösen und das System wieder vollständig in Betrieb nehmen.
Diese Erfahrung hat mir deutlich gezeigt, wie wichtig es ist, für die eigene fachliche Kompetenz einzustehen und sich nicht von Vorurteilen verunsichern zu lassen. Sie prägt mich bis heute und bestärkt mich darin, andere Frauen in der Technik zu ermutigen, Herausforderungen anzunehmen, dranzubleiben und sich nicht kleinmachen zu lassen.
WIT: Wohin möchtest du dich zeitnah beruflich und persönlich weiter entwickeln?
Sabrina: Ich möchte mich fachlich weiter vertiefen, vor allem aber als Führungskraft wachsen mit einem klaren Fokus auf nachhaltige Zusammenarbeit, Klarheit und gesunde Strukturen.
WIT: Wer sind deine persönlichen oder beruflichen Role Models?
Sabrina: Mich inspirieren Menschen, die fachlich stark sind und gleichzeitig empathisch führen. Besonders prägend war für mich meine ehemalige Managerin Boryana Manolova, die mich sowohl fachlich als auch menschlich enorm unterstützt und empowered hat & eine beeindruckende Führungspersönlichkeit ist. Ebenso zählen Gerald Six, der mich als Mentor durch sehr herausfordernde Situationen begleitet hat, und Michael Pollak, der mich stets zu mehr ermutigt hat und durch seine Ruhe und sprachliche Stärke beeindruckt, zu meinen Role Models.
Mir ist vor allem wichtig, auf die Bedeutung von Austausch und Community aufmerksam zu machen. Ein großes Herzensprojekt von mir ist die Austrian Power Platform Enthusiasts Community, die ich gemeinsam mit engagierten Kolleg*innen leite. Dort schaffen wir einen offenen Raum für Wissenstransfer, gegenseitige Unterstützung und praxisnahes Lernen, unabhängig von Rolle, Erfahrung oder Hintergrund.
Vielen Dank für das Interview, Sabrina!























