Interview mit Carolin Petzold, Geschäftsführerin
WIT: Hallo, Carolin, Bitte erzähle uns doch einmal kurz von dir persönlich.
Carolin: Hi! Ich bin Carolin Petzold – gerne Caro – und lebe im schönen Potsdam. Ich bin begeisterungsfähig, kritisch und ziemlich anspruchsvoll, wenn es um Qualität geht. Besonders faszinieren mich Menschen: ihre Psyche, ihre Dynamiken, ihre Widersprüche – manchmal erschreckend, oft wunderbar. Ich mag Bewegung, im Kopf wie im Leben: Reisen, neue Perspektiven und Dinge zu tun, vor denen ich eigentlich Respekt habe – ob beim Bergsteigen, Tauchen oder in herausfordernden Gesprächen. Beruflich schätze ich Klarheit, Tempo und Teams, die Lust haben, Probleme wirklich zu lösen, statt sie in hübsche Folien zu verpacken. Ich glaube an Technologie, die Menschen entlastet und den Alltag einfacher macht. Wertschätzung und Geradlinigkeit sind für mich dabei keine „Soft Skills“, sondern ein harter Business-Faktor – und die Grundlage für gute Zusammenarbeit.
WIT: Was machst du beruflich?
Carolin: Ich bin Geschäftsführerin bei Interlake in Potsdam. Wir sichern IT-Entscheidern im Mittelstand ruhigen Schlaf, indem wir komplexe Anwendungen modernisieren und in den Betrieb übernehmen. Wir sind ein Unternehmen, das Tech nicht als Selbstzweck baut und nutzt, sondern als Werkzeug, damit Dinge besser funktionieren: Entscheidungen, Prozesse, Produkte, Zusammenarbeit. Vor Interlake war ich viele Jahre in Tech-Konzernen unterwegs, unter anderem bei Microsoft und Siemens – in Management- und Führungsrollen, mit viel Fokus auf Leadership und Sales. Der Wechsel in den Mittelstand war für mich deshalb so spannend, weil man hier Dinge schneller bewegt – und sofort merkt, ob sie wirklich funktionieren.
WIT: Was genau versteckt sich hinter deiner Berufsbezeichnung?
Carolin: Geschäftsführung bedeutet für mich: planen, priorisieren, übersetzen, entscheiden – und Verantwortung übernehmen, wenn es unbequem wird. Ich bewege mich dabei bewusst zwischen Strategie und Operative: Ich begleite Wachstum, schaffe klare Rahmenbedingungen, räume Hindernisse aus dem Weg und setze Prioritäten. Immer mit dem Anspruch, dass wir nicht einfach beschäftigt sind, sondern wirksam. Am Ende geht es darum, Strategie in Realität zu übersetzen – und aus dieser Realität wieder bessere Entscheidungen abzuleiten.
WIT: Wie bist du dazu gekommen, einen technischen Beruf zu wählen?
Carolin: Mein Vater hat mich sehr früh in handwerkliche und technische Dinge eingeweiht – vom Keilriemenwechsel im Auto, über Schweißen bis hin zur Nutzung und Funktionsweise von PCs schon in den 90ern. Lange wusste ich trotzdem nicht, wo bei mir die Reise hingeht.
Im Studium bin ich dann recht schnell von BWL zur Wirtschaftsinformatik gewechselt und konnte mein wachsendes Interesse über IT-Studentenjobs praktisch vertiefen. Entscheidend war für mich dabei weniger die Technik selbst, sondern das Denken dahinter. Ich finde Systeme spannend – technische wie menschliche. Wenn sie gut gebaut sind, entsteht Klarheit: Abläufe werden einfacher, Entscheidungen schneller und Ergebnisse besser.
WIT: Wer oder was hat dich am meisten inspiriert, einen technischen Beruf zu wählen?
Carolin: Mich hat schon immer die Wechselwirkung aus Technologie – Mensch – Prozess interessiert. An dieser Schnittstelle bewege ich mich – das ist mein roter Faden. Außerdem umgebe ich mich gerne mit Menschen, die die richtigen Fragen stellen. Nicht die Lautesten, sondern die, die die Klarheit schaffen. Die nicht komplizierter machen, um klüger zu wirken, sondern Dinge auf den Punkt bringen, damit andere ins Handeln kommen. Und davon finde ich in der IT zum Glück viele.
WIT: Hat dich Technologie und/oder Programmieren schon immer interessiert?
Carolin: Technologie: total. Programmieren: nein, damals nicht. Mich fasziniert jedoch vor allem die Übersetzung zwischen Menschen, Business und Tech: Was ist wirklich das Problem? Was ist die beste Lösung? Und was bringt’s am Ende wirklich?
WIT: Haben deine Eltern und Lehrer deine Vorliebe und dein Interesse für Technik gefördert?
Carolin: Meine Eltern – absolut. Aber durch Vertrauen. Wie sich das äußerte? Neugier wurde belohnt, Fragen stellen durfte man, Dinge ausprobieren auch. Und natürlich Fehler machen – ohne dass daraus ein Drama wurde oder geschimpft wurde. Ich glaube, das ist die Grundlage: Wer lernt, dass Lernen kein Risiko ist, traut sich auch in neue, auch technische Räume rein.
WIT: Was gefällt dir an deiner Tätigkeit am meisten?
Carolin: Die Menschen. Ich liebe es, Teams und Ideen wachsen zu sehen. Wenn jemand plötzlich Verantwortung übernimmt, klarer kommuniziert, mutiger wird – das ist für mich der größte Erfolg. Und ich mag es, wenn aus „wir müssten mal“ ein „wir machen jetzt“ wird. Ich bin ein großer Fan von umsetzen statt nur drüber reden. Außerdem liebe ich an meinem Job, dass jeder Tag anders ist.
WIT: Was ist für dich das Schönste an deinem Arbeitsalltag?
Carolin: Wenn Klarheit entsteht – und man Spaß daran hat, dass sich der Nebel lichtet. Und wenn ein Team ehrlich Feedback gibt, offen diskutiert und dann gemeinsam entscheidet und umsetzt.
WIT: Wo findet man dich in der Freizeit am ehesten?
Carolin: Im Austausch. Ich mag Gespräche auf Augenhöhe – über Ideen, über Menschen, über Dinge, die wirklich zählen. Und natürlich bei spaßigen Aktivitäten mit meiner kleinen Familie – ob Schlittenfahren, mit dem Pony im Wald rumtüddeln oder im Jumppark.
WIT: Welche Botschaft möchtest du Frauen oder Mädchen mitgeben, die sich für Technik interessieren?
Carolin: Lass dich nicht entmutigen, dem zu folgen, was du spannend findest. Auch, wenn andere das vielleicht nicht nachvollziehen können. Am Ende ist es wichtig, dass du persönlich Spaß an dem hast, was und wie du es tust. Such dir auf deinem Weg Verbündete – gemeinsam ist man stärker und kann sich gegenseitig unterstützen.
WIT: Welchen Ratschlag verfolgst du bis heute?
Carolin: Ich liebe dieses Pippi Langstrumpf Zitat: „Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar“. Das muss ich mir immer wieder vor Augen führen, wenn es mal wieder etwas herausfordernder ist oder ich merke, dass ich mich zurückziehe.
WIT: Welchen Herausforderungen begegnest du speziell als Frau in deinem Beruf?
Carolin: Ich arbeite seit fast 20 Jahren in der IT-Branche – zum Glück hat sich schon einiges Wichtiges getan. Trotzdem begegnen mir bis heute (jedoch immer weniger) Schubladendenken, Vorurteile und komische Blicke. Ich gehe damit pragmatisch um: Ich liefere, ich bleibe sichtbar, ich setze Grenzen – und ich unterstütze andere Frauen dabei, nicht leiser zu werden, nur damit es bequem bleibt. Mir ist wichtig, als Frau (denn die bin ich) wahrgenommen zu werden, ohne dass mein Geschlecht zum Thema gemacht wird oder zur Bewertungskategorie wird – weder positiv noch negativ.
WIT: Welche Tipps hast du für Bewerbungsgespräche für technische Positionen?
Carolin: Erzähl nicht nur, was du kannst, sondern nimm dein Gegenüber mit in dein Denken. Oft ist es viel spannender zu sehen, wie jemand an ein Problem herangeht, als am Ende eine perfekte Antwort zu hören. Konkrete Beispiele helfen dabei – statt zu sagen, dass du teamfähig bist, erzähl lieber von einer Situation, in der ihr gemeinsam etwas gelöst habt. Und vergiss nicht: Ein Bewerbungsgespräch ist keine Einbahnstraße. Schau dir die Firma genauso genau an, wie sie dich anschaut. Frag nach Arbeitsweise, Verantwortung, Feedback oder wie Entscheidungen getroffen werden. Wenn dabei ausgewichen wird, sagt das meist schon genug. Und ganz wichtig: Nervosität ist völlig okay. Kompetenz verschwindet nicht, nur weil man aufgeregt ist. Bleib bei dir – dann merkt ihr beide schnell, ob es wirklich passt.
WIT: Frauen in technischen Berufen sind ja leider noch eine Minderheit. Was sind deine Gedanken zu diesem Thema?
Carolin: In Gesellschaft und Wirtschaft wünsche ich mir, dass wir endlich verstehen: Diversity ist Qualitätsmanagement und Produktivitätsbooster. Produkte werden besser, Teams werden besser, Entscheidungen werden besser. Und es geht nicht nur um Zahlen, sondern um Kultur: Sichtbarkeit, Vorbilder, echte Förderung, offenes und geradliniges Miteinander. Niemand bleibt langfristig in einem Umfeld, in dem man sich permanent beweisen muss, nur um normal behandelt zu werden.
WIT: Was verbindet dich mit Frauen in der Technik?
Carolin: Der Wille, Dinge nicht nur zu verstehen und umzusetzen, sondern besser zu machen. Ich erlebe bei vielen Frauen in Tech eine Mischung aus Pragmatismus, Empathie und Anspruch – und ehrlich: das ist eine Power-Kombi. Und vielleicht auch die Erfahrung, dass man manchmal erst lernen muss, sich selbst nicht kleiner zu machen.
WIT: Bitte beschreibe eine herausfordernde Situation, der du in deinem Beruf in der Vergangenheit begegnet bist.
Carolin: Ende Zwanzig habe ich meine erste Führungsrolle in einem Konzern übernommen. Ich war gut vorbereitet – fachlich wie mental – und trotzdem begleitet von Zweifeln, sowohl von außen (zum Glück denkt man heute vieles von dem, was ich mir damals anhören musste, nicht mehr und noch weniger sagt man es heutzutage) als auch von mir selbst.
Der wohl wichtigste Schritt war, mich davon nicht aufhalten zu lassen. Und dann die Erfahrung zu machen: Führung ist lernbar. Nicht alles läuft perfekt, aber fast alles ist machbar, wenn man bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, Risiken einzugehen und aus Fehlern zu lernen.
Besonders wertvoll war für mich dabei der Austausch mit Mentoren und Mentorinnen – Menschen, die helfen, Ordnung ins Gedankenchaos zu bringen und den Blick wieder nach vorne zu richten. Rückblickend kann ich sagen: Es war genau die richtige Entscheidung.
WIT: Wohin möchtest du dich zeitnah beruflich und persönlich weiter entwickeln?
Carolin: Beruflich will ich noch stärker Strukturen und Systeme bauen, die Wachstum ermöglichen – die wirtschaftlich sinnvoll und strategisch klar in Ökosystemen funktionieren. Persönlich möchte ich besser auf mich achten und mir bewusst Zeit für Dinge nehmen, die mir Energie geben – weil das im Alltag zwischen Business und Familie sonst schnell zu kurz kommt.
WIT: Wer sind deine persönlichen oder beruflichen Role Models?
Carolin: Kein einzelner Mensch. Ich bewundere Menschen, die klar denken, mutig entscheiden und dabei menschlich bleiben. Menschen, die Verantwortung nicht als Statussymbol sehen. Ich hatte das Glück, einige solcher Menschen kennenzulernen, und sie auch als Mentoren zu haben. Das waren sowohl Frauen als auch Männer – und ich habe viel im Austausch und bei der Zusammenarbeit gelernt.
Ich möchte gerne Frauen und Mädchen einladen, sich mit mir und meinem Team zu vernetzen und auszutauschen rund um den Einstieg in IT-Positionen, Recruiting-Anforderungen, Erwartungshaltungen, Mentoring und potentielle Einstiegsmöglichkeiten bei uns.
Vielen Dank für das Interview, Carolin!























