Interview mit Mareike Kirch

WIT: Hallo, Mareike, bitte erzähle uns doch einmal kurz von dir persönlich.
Mareike: Hallo, ich bin Mareike, in den 30ern. Ich bin ein Ruhrpottkind, habe lange im Ruhrgebiet gelebt, lebe aber mittlerweile in Berlin. Ich habe Maschinenbau studiert – und BWL.

WIT: Was machst du beruflich?
Mareike: Ich bin Geschäftsführerin und Gründerin von Coding Bootcamps Europe und ich arbeite als Karriere und Business Coach. Davor habe ich die Coaching-Agentur „Fuck You Comfort Zone“ gegründet.

Als Geschäftsführerin von Coding Bootcamps Europe kümmere ich mich um den Aufbau des Unternehmens sowie die Schaffung von Prozessen und Strukturen. Zusätzlich sind der Bewerbungsprozess und der Teamaufbau Teil meiner Aufgaben. Arbeite als Karriere- und Business-Coach, zum einen mit unseren Bootcamp-Teilnehmer:innen und zum anderen mit Frauen in technischen Berufen (Ingeneurinnen, Software und IT)

WIT: Wie bist du dazu gekommen, einen technischen Beruf zu wählen?
Mareike: Nach der Schule habe ich erstmal einen kaufmännische Ausbildung und ein berufsbegleitendes Studium absolviert, da ich mich trotz Mathe LK nicht an ein technisches Studium getraut habe. Während dieser Ausbildung habe ich jedoch relativ schnell gemerkt, dass mich rein kaufmännische Prozesse nicht erfüllen und habe mich anschließend dazu entschieden, zurück an die Uni zu gehen, um Maschinenbau zu studieren. Warum ich mich für diesen technischen Studiengang, weiß ich gar nicht mehr so genau. Ich glaube, ich wollte es einfach ausprobieren und gucken, ob ich es schaffen kann. Jetzt habe ich einen Bachelor of Engineering 🙂

Als ich danach in der Stahlindustrie gearbeitet habe, habe ich im Laufe der Jahre (8 Jahre) gemerkt, dass die Strukturen eines Großkonzerns nicht zu mir und meiner Persönlichkeit gepasst haben. Also habe ich mich umgeguckt und gesehen, dass alteingesessene Industriekonzerne an der Digitalisierung vorbeirennen und in diesen Versäumnissen ein riesiges Potenzial entdeckt. Damit war die Idee für Coding Bootcamps Europe nach und nach geboren – das Ziel: Nachwuchs für die IT-Branche ausbilden und dabei den Fokus auf Diversität und Inklusion legen. Außerdem wollen wir „Oldschool-Unternehmen“ die Chance geben, ihre Mitarbeiter:innen aus- und weiterbilden zu lassen und nicht von der Digitalisierung abgehängt zu werden.

WIT: Wer oder was hat dich am meisten inspiriert, einen technischen Beruf zu wählen?
Mareike: Mein Papa. Er hat mir nach der Schule schon immer gesagt, dass ich doch etwas technisches machen sollte: „Mädschen, mach wat Technisches!“ Und als ich ihm die Entscheidung, zurück an die Uni zu gehen, mitgeteilt habe, war er direkt Feuer und Flamme und hat mich unterstützt.

WIT: Hat dich Technologie und/oder Programmieren schon immer interessiert?
Mareike: Programmieren ehrlich gesagt nicht. Das war für mich immer ein Buch mit sieben Siegeln. Im Studium musste ich mit C++ programmieren, das hat mich in den Wahnsinn getrieben. Technologie und technische Frage- und Problemstellungen fand ich aber schon immer spannend und cool.

WIT: Haben deine Eltern und Lehrer deine Vorliebe und dein Interesse für Computer gefördert?
Mareike: Ja.

WIT: Was gefällt dir an deiner Tätigkeit am meisten?
Mareike: Ich mag, dass ich die Sachen selber gestalten und bauen kann. Das Beste für mich ist definitiv die Arbeit mit den Menschen! Sowohl mit den Teilnehmer:innen als auch mit dem Team. Mir macht es Spaß, dass wir den Menschen helfen können und einen positiven Impact auf deren Leben haben. Ein Lachen der Teilnehmer:innen oder Mitarbeiter:innen ist für mich Gold wert. Und das Gefühl, etwas verändern zu können.

WIT: Was ist für dich das Schönste an deinem Arbeitsalltag?
Mareike: Unabhängigkeit, Flexibilität, Dinge ausprobieren können. Meine Zeit mit tollen, positiven Menschen verbringen zu dürfen und: von überall aus arbeiten zu können (wenn Corona nicht wäre…)

WIT: Wo findet man dich in der Freizeit am ehesten?
Mareike:

  • irgendwo in der Nähe von Wasser
  • beim Wakeboarden
  • beim Wellenreiten
  • beim Crossfit (habe ich gerade für mich entdeckt)
  • draußen
  • im Restaurant
  • unter Menschen

WIT: Welche Botschaft möchtest du Frauen oder Mädchen mitgeben, die sich für Technik interessieren?
Mareike: Dass sie ihrem Interesse nachgehen sollen und sich trauen sollen! Dass sie sich und ihren Fähigkeiten vertrauen sollen!

WIT: Welchen Ratschlag verfolgst du bis heute?
Mareike: „Einfach mal machen, könnte ja gut werden!“

WIT: Welchen Herausforderungen begegnest du als Frau in deinem Beruf?
Mareike: Im Maschinenbau-Studium wurde ich oft nicht als Ingenieurin wahrgenommen. Ich gehörte für die Anwesenden immer eher in die kaufmännische Abteilung, obwohl das nicht stimmte. Ich hatte oft das Gefühl, mich besonders beweisen zu müssen. In einem Vorstellungsgespräch wurde ich gefragt, ob ich meine Brille nur trage, um intelligenter zu wirken. Mittlerweile trete ich wesentlich selbstbewusster auf. Ich bin jetzt Geschäftsführerin eines Unternehmens und traue mich auch, das so zu sagen. Ich lasse mir jetzt nicht mehr so schnell die Butter vom Brot nehmen/nicht bevormunden.

WIT: Welche Tipps hast du für Bewerbungsgespräche für technische Positionen?
Mareike:

  • bereite dich gut darauf vor
  • hol dir Informationen zum Unternehmen
  • guck, ob das Unternehmen wirklich zu dir passt und ob du Lust hast, dich mit dem Produkt des Unternehmens auseinanderzusetzen
  • Kenne deinen Marktwert, um auch vernünftig in Gehaltsverhandlungen einsteigen zu können
  • Recherchiere die üblichen Gehälter für die angestrebte Stelle und leg in der Verhandlung ruhig noch eine Schippe drauf

WIT: Frauen in technischen Berufen sind ja leider noch eine Minderheit. Was sind deine Gedanken zu diesem Thema?
Mareike: Ich glaube, dass sich das ändern wird, weil immer mehr Frauen in technische Berufe gehen und man als Frau nach und nach nicht mehr das Unicorn unter den männlichen Kollegen ist. Es ist wichtig, dass Teams diverser werden, um Produkte und Leistungen zu entwickeln, die mehr Menschen ansprechen. Frauen sollten sich mehr untereinander unterstützen und vernetzen. Gegenseitiger Support ist wichtig!

WIT: Was verbindet dich mit Frauen in der Technik?
Mareike: Dass wir im Grunde alle vor den gleichen Herausforderungen stehen. Ich finde es toll und spannend, wenn Frauen sich für technische Berufe interessieren und daran Spaß haben!

WIT: Wohin möchtest du dich zeitnah beruflich und persönlich weiter entwickeln?
Mareike:

  • Ich möchte Coding Bootcamps Europe weiter aufbauen
  • Mehr Menschen die Chance auf Veränderung in ihrem Leben geben
  • An den Herausforderungen, die täglich auf mich warten, wachsen

WIT: Wer sind deine persönlichen oder beruflichen Role Models?
Mareike:

  • Thomas Derale aus dem Buch „The Big Five for Live“ von John Strelecky. Das Buch hat mich inspiriert.
  • Sheryl Sandberg (COO von Facebook)

Kommt ins Bootcamp! Werde Webentwicklerin und gestalte deine Rolle in der Welt von Morgen selbst!

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