10 Jahre im Sondermaschinenbau: Interview mit Britta Kalusche, Abteilungsleiterin Planung

Hallo Britta, bitte erzähle uns doch einmal kurz von dir persönlich.

Ich bin gebürtige Dortmunderin, 39 Jahre alt, Diplom-Ingenieurin Maschinenbau, Führungskraft in einem mittelständischen Unternehmen, Mutter von zwei Kindern und lebe in Bremen.

Was machst du denn beruflich?

Ich bin Head of Assembly Planning bei der Plan B Automatisierung GmbH. Dort arbeite ich bereits seit 2012. Nach meinem Studienabschluss an der Leibniz Universität Hannover in 2008 habe ich mich nach einer kurzen Zeit in der Wissenschaft bewusst in Richtung Industrie orientiert, in den Mittelstand.

Wie sieht heute dein beruflicher Alltag aus?

Ich arbeite 30 Stunden pro Woche als Abteilungsleiterin Planung und teile mir meinen Führungsposten mit meinem männlichen Kollegen Dirk Wilhelm. Dirk und ich arbeiten seit Jahren sehr eng und vertrauensvoll zusammen, sodass wir uns jederzeit sowohl intern als auch bei den Kunden gegenseitig vertreten können und die Führung der Abteilung ohne Unterbrechung sichergestellt ist.

Was gefällt dir an deiner jetzigen Tätigkeit am meisten?

Mein Arbeitsinhalte! Ich konzipiere und plane Montageanlagen im Kundenauftrag, und es sind immer wieder neue Anlagen für andere Kunden und andere Produkte. Man hat seine Planungsmethode, in der man natürlich immer besser wird, die sich aber systemisch eigentlich nicht verändert.

Die eigentlichen Probleme, Lösungen, Aufgabenstellungen, die der Kunde benötigt – die sind immer wieder anders. So wird es zu keinem Zeitpunkt langweilig, und gleichzeitig kann ich mein Fachwissen in den Bereichen Montagetechnik und Montageabläufe immer weiter steigern.

Zudem hat in den letzten Jahren auch die partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit den Kunden immer weiter zugenommen, was ich sehr erfüllend finde.

Was ist für dich das Schönste an deinem Arbeitsalltag?

Kurz gesagt, die gute Zusammenarbeit bei uns. Das sieht man beispielsweise auch daran, dass ich in meinem Unternehmen mit einem Fehler niemals allein bleibe. Bei uns ist es völlig in Ordnung zu sagen: „Hier ist etwas schiefgelaufen, wie kommen wir denn da gemeinsam wieder raus?“. In solchen Situationen ziehen wir alle an einem Strang und überlegen zusammen, was man tun könnte.

Genau so gehe ich auch nach 10 Jahren noch vor. Wenn ich irgendwo gedanklich nicht weiterkomme und ich keine Ideen mehr habe, dann kann ich mich jederzeit an mein Team, an die Geschäftsführung oder an andere Wissensträger wenden und sagen, lass uns da mal drüber sprechen. So wird schließlich aus der Lösung einer einfachen Frage schnell eine gemeinsame Teamleistung.

Welchen besonderen Herausforderungen begegnest du als Frau in deinem Beruf?

Persönlich habe ich den vergangenen zehn Jahren sowohl als Frau wie auch als Planerin ein anderes Standing bekommen. Ich weiß noch, wie ich früher nervös in Kundenmeetings war und immer einen hohen Druck verspürte, mich zu beweisen und Leistung abzuliefern.

Mit steigender Berufserfahrung ist das heute anders. Ich bin einfach viel unbeschwerter in Kundenterminen. Ich rede entspannt mit den Kunden und kann, was sich sagen möchte, auch genauso rüberbringen und so mich und mein Arbeitsergebnis für alle Seiten zufriedenstellend präsentieren.

Was war bisher das spannendste Projekt in deinem Berufsleben?

Das spannendste Projekt war eins, das am Ende gar nicht realisiert wurde. Für einen Kunden aus der Robotertechnik haben wir die Planung einer Matrix-Montage für das Zentralwerk vorgenommen. Wir wollten weg von der starren, verketteten Linie hin zu einzelnen Montagestationen, die sich im Betrieb flexibel verknüpfen lassen sollten.

Zu diesem Thema gibt es einen umfangreichen theoretischen Hintergrund sowie sehr viele wissenschaftliche Informationen und Studien, aber nur sehr wenig Material aus der Praxis. Also haben wir uns immer wieder Fragen gestellt: Was bedeutet das, wenn es in der Realität wirklich umgesetzt werden soll? Wo sind vielleicht Grenzen, und was kann man trotzdem machen?

Und genau das war superspannend: Das Arbeiten an theoretischen Lösungsmöglichkeiten und die Anpassung dieser auf die Erfordernisse der Praxis, da sich theoretische Planungsmethoden gar nicht 1:1 übertragen lässt. Wir wollten das wissenschaftlich bereits Erarbeitete mal als Hands-On-Methode in der Praxis einsetzen, ohne dafür gleich einen neuen Versuchsaufbau leisten zu müssen.

Wohin möchtest du dich beruflich und persönlich weiterentwickeln?

Persönlich bin ich aktuell bereits sehr zufrieden. Beruflich sehe ich große Herausforderungen auf eigentlich alle Unternehmen zukommen, und zwar ein Mangel in vielen Bereichen. Sei es der Mangel an Fachkräften, ein Mangel an Materialien und Ressourcen im weitesten Sinne, also auch den Ressourcen, die Mitarbeiter mit ins Unternehmen bringen.

Auf der Seite unserer Kunden wiederum wird die Notwendigkeit zum Automatisieren immer stärker gesehen. Viele Firmen sind jedoch noch ganz am Anfang eines solchen Prozesses. Diese Unternehmen stellen sich dann Fragen wie „Wo fange ich an? Wie geht das, wenn ich seit Jahr und Tag meine gesamte Produktion auf eine manuelle Montage optimiert habe?“.

Hier passende Lösungen und Konzepte verantwortlich anbieten und auch realisieren zu können, das mach mich im Beruf sehr zufrieden.

Welche Botschaft möchtest du Frauen oder Mädchen noch mitgeben, die sich für Technik interessieren?

Das Entscheidende ist, dass ihr Spaß an den technischen Themen habt. Ich arbeite sehr gerne in meinem Bereich und freue mich über jede Kollegin. Es ist nicht entscheidend, ob euer Interesse anderen Personen gefällt oder nicht – es geht um euch.

Vielen Dank für das Interview, Britta!

 

Foto: Abteilungsleitern Britta Kalusche freut sich über das Geschenk Ihrer Firma zum 10jährigen Jubiläum

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