{"id":24641,"date":"2026-07-22T16:00:52","date_gmt":"2026-07-22T14:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.womenintechev.de\/?p=24641"},"modified":"2026-07-22T18:53:28","modified_gmt":"2026-07-22T16:53:28","slug":"interview-mit-juelide-kaya","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.womenintechev.de\/en\/interview-mit-juelide-kaya\/","title":{"rendered":"Interview mit J\u00fclide Kaya, Rechtsanw\u00e4ltin IT-Recht"},"content":{"rendered":"<p><b>WIT:<\/b> <b>Hallo, J\u00fclide, Bitte erz\u00e4hle uns doch einmal kurz von dir pers\u00f6nlich.<\/b><b><br \/>\n<\/b><b>J\u00fclide:<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> Mein Name ist J\u00fclide Kaya. Ich komme urspr\u00fcnglich aus dem Rheinland, habe dann Jura in Bonn studiert und arbeite und lebe jetzt im wundersch\u00f6nen K\u00f6ln.<\/span><\/p>\n<p><b>WIT:<\/b> <b>Was machst du beruflich?<\/b><b><br \/>\n<\/b><b>J\u00fclide:<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> Ich bin Rechtsanw\u00e4ltin und mein Fokus liegt auf der Beratung in Fragen des IT-Rechts, des Datenschutzes und der Digitalisierung. Zudem berate ich auf den Gebieten des Social-Media-Rechts und des Gaming-Rechts. Ich bin dar\u00fcber hinaus zertifizierte Data Protection Officer und neben meinem Beruf als Anw\u00e4ltin Lehrbeauftragte f\u00fcr Rechtsfragen der Digitalisierung.<\/span><\/p>\n<p><b>WIT:<\/b> <b>Was genau versteckt sich hinter deiner Berufsbezeichnung?<\/b><b><br \/>\n<\/b><b>J\u00fclide:<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> Im Kern mache ich das, was Anw\u00e4ltinnen schon immer gemacht haben: Ich sorge daf\u00fcr, dass meine Mandanten rechtlich auf der sicheren Seite stehen. Nur dass mein Spielfeld eben kein klassisches ist. Im IT-Recht geht es um Vertr\u00e4ge, Haftungsfragen und Streitigkeiten rund um Software, Systeme und digitale Dienstleistungen \u2013 also alles, was passiert, wenn Technik auf Gesch\u00e4ft trifft und es pl\u00f6tzlich kompliziert wird. Im Datenschutz berate ich Unternehmen dabei, wie sie mit personenbezogenen Daten rechtssicher umgehen. Das f\u00e4ngt bei der Datenschutzerkl\u00e4rung auf der Website an und h\u00f6rt bei komplexen DSGVO-Prozessen auf.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Die Digitalisierung sorgt daf\u00fcr, dass es immer neue Regulatorik gibt, was es f\u00fcr Unternehmen schnell un\u00fcbersichtlich macht. Ich helfe dabei, das einzuordnen und Gesch\u00e4ftsmodelle so aufzustellen, dass sie rechtlich tragf\u00e4hig sind.<\/span><\/p>\n<p><b>WIT:<\/b> <b>Wie bist du dazu gekommen, einen technischen Beruf zu w\u00e4hlen?<\/b><b><br \/>\n<\/b><b>J\u00fclide:<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> Rechtsanw\u00e4ltin wollte ich schon werden, als ich noch ein kleines Kind war. Ich habe das sogar in Freundeb\u00fccher geschrieben: &#8220;Was willst du sp\u00e4ter mal werden&#8221; &#8211; &#8220;Anw\u00e4ltin&#8221;.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"> Der digitale Einschlag kam dann im Studium, als ich meinen Schwerpunkt in diese Richtung gew\u00e4hlt habe, weil ich die Dynamik und den Wandel in diesem Bereich spannend und interessant fand.<\/span><\/p>\n<p><b>WIT:<\/b> <b>Wer oder was hat dich am meisten inspiriert, einen technischen Beruf zu w\u00e4hlen?<\/b><b><br \/>\n<\/b><b>J\u00fclide:<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> Als Millennial habe ich diesen Wandel hautnah miterlebt, von &#8220;schnell raus aus dem Internet, das kostet sonst zu viel&#8221; \u00fcber ICQ bis hin zu globalen Plattformen wie Facebook. Ich habe gesehen, wie aus einer Spielerei ein gesellschaftliches Ph\u00e4nomen wurde, was nicht mehr wegzudenken ist. Und irgendwann war klar: Das hat rechtliche Konsequenzen, die noch niemand so richtig durchdacht hat. Da wollte ich dann mitspielen.<\/span><\/p>\n<p><b>WIT:<\/b> <b>Hat dich Technologie und\/oder Programmieren schon immer interessiert?<\/b><b><br \/>\n<\/b><b>J\u00fclide:<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> Technologie ja, definitiv. Ich kann aber nicht Coden und das war auch nie mein Ding. Mich hat eher fasziniert, was Technologie mit uns macht, wie sie das Recht, die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Kommunikation ver\u00e4ndert. Das ist ein anderer Blickwinkel als der einer Entwicklerin beispielsweise.<\/span><\/p>\n<p><b>WIT:<\/b> <b>Haben deine Eltern und Lehrer deine Vorliebe und dein Interesse f\u00fcr Technik gef\u00f6rdert?<\/b><b><br \/>\n<\/b><b>J\u00fclide:<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> Ich war schon immer schlagfertig und konnte diskutieren \u2013 der Weg zur Anw\u00e4ltin hat sich da fast von selbst ergeben. Den IT-Einschlag habe ich mir selbst gesucht, aber meine Eltern haben das immer unterst\u00fctzt und gef\u00f6rdert. Das war keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit und daf\u00fcr bin ich heute noch dankbar.<\/span><\/p>\n<p><b>WIT:<\/b> <b>Was gef\u00e4llt dir an deiner T\u00e4tigkeit am meisten?<\/b><b><br \/>\n<\/b><b>J\u00fclide:<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> Die Vielfalt. Kein Tag ist wie der andere: Neue Sachverhalte, neue Regulatorik, neue Technologien, die Mandanten reichen von Gro\u00dfunternehmen zu kleinen Start-Ups. Alles entwickelt sich so schnell, dass man sich st\u00e4ndig neu fragen muss: Was bedeutet das jetzt konkret f\u00fcr ein Unternehmen, f\u00fcr einen Prozess, f\u00fcr einen Vertrag? Das finde ich bis heute nicht langweilig. Und die Lehrt\u00e4tigkeit finde ich toll, weil ich gerne mit Menschen kommuniziere.<\/span><\/p>\n<p><b>WIT: Was ist f\u00fcr dich das Sch\u00f6nste an deinem Arbeitsalltag?<\/b><b><br \/>\n<\/b><b>J\u00fclide:<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> Wenn Mandanten am Ende verstehen, warum wir bestimmte Dinge so machen m\u00fcssen und nicht einfach nur nicken, weil ich Anw\u00e4ltin bin. Ich liebe es, digitale Fragen so zu erkl\u00e4ren, dass sie jeder versteht. H\u00f6rt mich mein Handy ab? Darf ich in Deutschland eine Dashcam nutzen? Was bedeutet Datenschutz \u00fcberhaupt? Das sind Fragen, die viele besch\u00e4ftigen und wenn jemand den Raum verl\u00e4sst und es wirklich verstanden hat, dann ist das f\u00fcr mich das Beste an diesem Job.<\/span><\/p>\n<p><b>WIT:<\/b> <b>Wo findet man dich in der Freizeit am ehesten?<\/b><b><br \/>\n<\/b><b>J\u00fclide:<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> Mit Freunden und Familie, beim Essen, im Kino oder in einem Museum. Und wenn es mal ruhiger sein soll, findet man mich entweder einen Podcast h\u00f6rend (True Crime!), beim Gaming oder irgendwo in den Tiefen von Social Media. Analog und digital eben, wie es sich f\u00fcr eine IT-Anw\u00e4ltin geh\u00f6rt;)<\/span><\/p>\n<p><b>WIT:<\/b> <b>Welche Botschaft m\u00f6chtest du Frauen oder M\u00e4dchen mitgeben, die sich f\u00fcr Technik interessieren?<\/b><b><br \/>\n<\/b><b>J\u00fclide:<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> Nehmt euch euren Raum. Uns wird oft suggeriert, dass Technik und IT nichts f\u00fcr Frauen sind. Als junge Anw\u00e4ltin im IT-Bereich und noch dazu mit Migrationshintergrund werde ich bis heute deshalb manchmal untersch\u00e4tzt. Ich bin oft die einzige Frau in einem Raum voller M\u00e4nner. Aber sich klein machen war f\u00fcr mich nie eine Option. Im Gegenteil, ich nehme mir meinen Raum ganz bewusst. Und am Ende \u00fcberzeugt man die Leute durch ein selbstbewusstes Auftreten und Leistung.<\/span><\/p>\n<p><b>WIT:<\/b> <b>Welchen Ratschlag verfolgst du bis heute?<\/b><b><br \/>\n<\/b><b>J\u00fclide:<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> Mein Vater hat mir fr\u00fch mitgegeben: &#8220;Du musst immer wissen, wo die Hintert\u00fcre ist.&#8221; Das bedeutet, dass man nie in einer Situation stecken bleiben sollte, aus der man nicht mehr rauskommt. Das hat mich gepr\u00e4gt. In meinem Beruf bedeutet das: Ich denke immer einen Schritt weiter, sehe Risiken, bevor sie entstehen und habe einen Plan B und meistens auch noch einen Plan C.<\/span><\/p>\n<p><b>WIT:<\/b> <b>Welchen Herausforderungen begegnest du speziell als Frau in deinem Beruf?<\/b><b><br \/>\n<\/b><b>J\u00fclide:<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung ist oft gar nicht die Technik oder das Recht an sich, das Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr kann man sich aneignen. Es ist eher das Drumherum. Du kommst in einen Raum, setzt dich an den Tisch, und bist erstmal die einzige Frau in einer gro\u00dfen Verhandlungsrunde. Und dann merkst du ziemlich schnell, dass du dich ein kleines bisschen mehr beweisen musst als andere.<\/span><\/p>\n<p><b>WIT:<\/b> <b>Welche Tipps hast du f\u00fcr Bewerbungsgespr\u00e4che f\u00fcr technische Positionen?<\/b><b><br \/>\n<\/b><b>J\u00fclide:<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> Alle kochen nur mit Wasser. Zeige Pr\u00e4senz und Interesse. Wenn du etwas wei\u00dft, dann sag es, wenn nicht, dann sei offen diesbez\u00fcglich, aber zeige, wie du das Problem l\u00f6sen w\u00fcrdest. Praktisch sind auch Erfahrungen durch Praktika im digitalen Bereich und gut gew\u00e4hlte Referendarstationen, das zeigt, dass dich der digitale Bereich wirklich interessiert.<\/span><\/p>\n<p><b>WIT:<\/b> <b>Frauen in technischen Berufen sind ja leider noch eine Minderheit. Was sind deine Gedanken zu diesem Thema?<\/b><b><br \/>\n<\/b><b>J\u00fclide:<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> Ich sehe das inzwischen nicht mehr nur als Nachteil, sondern als Chance. Du f\u00e4llst auf, aber das kannst du f\u00fcr dich nutzen. Wichtig ist, dass du dich etablierst: Fachlich sauber arbeiten, Erfahrungen sammeln, Networken, gerade auch in Nischen, wo nicht alle sofort unterwegs sind und dir damit so dein Standing aufbauen.<\/span><\/p>\n<p><b>WIT:<\/b> <b>Was verbindet dich mit Frauen in der Technik?<\/b><b><br \/>\n<\/b><b>J\u00fclide:<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> Das Gef\u00fchl, sich beweisen zu m\u00fcssen, obwohl man einfach nur seinen Job macht. Wir haben alle irgendwann entschieden, in einem Bereich zu bleiben, der uns nicht immer mit offenen Armen empfangen hat. Und genau deshalb ist es mir wichtig, andere Frauen zu unterst\u00fctzen und sichtbar zu machen.<\/span><\/p>\n<p><b>WIT:<\/b> <b>Bitte beschreibe eine herausfordernde Situation, der du in deinem Beruf in der Vergangenheit begegnet bist.<\/b><b><br \/>\n<\/b><b>J\u00fclide:<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> Eine Situation, die mir tats\u00e4chlich immer wieder begegnet ist: Mein Name wird oft falsch ausgesprochen, selbst nachdem ich ihn einmal korrigiert habe. Klingt erstmal banal, ist es aber nicht, weil es schnell zeigt, wie aufmerksam jemand wirklich ist. Gerade in Verhandlungen kann so etwas auch eine Taktik sein. Fr\u00fcher habe ich das eher \u00fcbergangen, heute spreche ich es direkt an, freundlich, aber klar und auch in gr\u00f6\u00dferen Runden. Das ist so ein kleiner Moment, in dem ich f\u00fcr mich selbst einstehe, ohne daraus ein Drama zu machen. Und genau solche Situationen trainieren am Ende auch die Pr\u00e4senz und die Au\u00dfenwahrnehmung.<\/span><\/p>\n<p><b>WIT:<\/b> <b>Wohin m\u00f6chtest du dich zeitnah beruflich und pers\u00f6nlich weiter entwickeln?<\/b><b><br \/>\n<\/b><b>J\u00fclide:<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> Fachlich reizt mich gerade besonders die Schnittstelle von Recht und Social Media, also Themen wie Plattformregulierung, Content-Moderation, Datenschutz. Da passiert unglaublich viel, und ich finde es spannend, nicht nur rechtlich zu begleiten, sondern auch ein Gef\u00fchl daf\u00fcr zu bekommen, wie diese Plattformen tats\u00e4chlich funktionieren.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Pers\u00f6nlich geht es mir vor allem darum, meinen eigenen Stil als Anw\u00e4ltin weiterzuentwickeln und mich nicht davon verunsichern zu lassen, wenn ich vielleicht nicht dem klassischen Bild entspreche.<\/span><\/p>\n<p><b>WIT:<\/b> <b>Wer sind deine pers\u00f6nlichen oder beruflichen Role Models?<\/b><b><br \/>\n<\/b><b>J\u00fclide:<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> Meine pers\u00f6nlichen Role Models sind meine Eltern. Sie sind die Generation zwischen Tradition und Entwicklung und haben mir den Weg geebnet, meinen eigenen Weg zu w\u00e4hlen und zu gehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ein berufliches Role Model f\u00fcr mich war Frau Prof. Louisa Specht-Riemenschneider. Ich hatte in der Uni davor fast nur m\u00e4nnliche Professoren und dann kommt sie in den H\u00f6rsaal und bringt einfach eine ganz andere Energie mit. Ich fand es ehrlich gesagt einfach nur cool: Sie hatte diesen Drive, war super smart und dabei immer stilvoll gekleidet. Da hatte ich zum ersten Mal so richtig den Gedanken: Okay, genau so will ich sp\u00e4ter auch auftreten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Nachdem mich auch meine Studierenden immer wieder darauf angesprochen haben, wage ich jetzt den Schritt ins Social Media Game und starte meinen TikTok Kanal &#8220;Jura and Juice&#8221;. Da will ich vor allem digitale Rechtsthemen und rechtliche Mythen verst\u00e4ndlich erkl\u00e4ren. Ich freue mich da schon sehr drauf, weil es nochmal eine ganz andere Challenge ist, vor einer Kamera zu sitzen und zu reden als vor Mandanten oder Studierenden. Wer mich auf diesem Weg begleiten will, ist herzlich eingeladen, meinem Kanal zu folgen!<\/span><\/p>\n<p><b>Vielen Dank f\u00fcr das Interview, J\u00fclide!\u00a0<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WIT: Hallo, J\u00fclide, Bitte erz\u00e4hle uns doch einmal kurz von dir pers\u00f6nlich. J\u00fclide: Mein Name ist J\u00fclide Kaya. Ich komme urspr\u00fcnglich aus dem Rheinland, habe dann Jura in Bonn studiert und arbeite und lebe jetzt im wundersch\u00f6nen K\u00f6ln. WIT: Was machst du beruflich? 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