{"id":14620,"date":"2022-02-07T08:53:53","date_gmt":"2022-02-07T07:53:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.womenintechev.de\/?p=14620"},"modified":"2024-09-02T21:42:25","modified_gmt":"2024-09-02T19:42:25","slug":"interview-mit-gopika-suresh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.womenintechev.de\/en\/interview-mit-gopika-suresh\/","title":{"rendered":"Interview mit Gopika Suresh, Raumfahrtingenieurin"},"content":{"rendered":"<p><strong>WIT: Hallo, Gopika, bitte erz\u00e4hle uns doch einmal kurz von dir pers\u00f6nlich.<\/strong><br \/>\n<strong>Gopika:<\/strong> Hi! Ich bin 34 Jahre alt, Raumfahrtingenieurin, Expertin f\u00fcr Radarfernerkundung, Python-Programmiererin und Mutter eines 10 Monate alten Kindes.<br \/>\nIch bin in Indien geboren und lebe seit 12 Jahren in Deutschland. Ich habe meinen Bachelor in Elektrotechnik in Indien abgeschlossen, meinen Master in Luft- und Raumfahrttechnik an der TU M\u00fcnchen gemacht und danach an der Universit\u00e4t Bremen promoviert.<\/p>\n<p><strong>WIT: Was machst du beruflich?<\/strong><br \/>\n<strong>Gopika:<\/strong> Ich bin Wissenschaftlerin beim Bundesamt f\u00fcr Kartographie und Geod\u00e4sie in Frankfurt, wo ich im Team Servicestelle Fernerkundung im Referat Satellitengest\u00fctzte Krisen- und Lagedienst t\u00e4tig bin.<\/p>\n<p>Ich bin auch Organisatorin einer Twitter-Initiative namens &#8216;Sisters of SAR&#8217;, die Frauen im Bereich der Radar-Fernerkundung sichtbar macht und f\u00f6rdert.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Was genau versteckt sich hinter deiner Berufsbezeichnung?<\/strong><br \/>\n<strong>Gopika:<\/strong> In meinemTeam unterst\u00fctze ich die Entwicklung von Methoden zur Verarbeitung von Satellitendaten, insbesondere von Radardaten, Entwicklung von Anwendungsbeispielen und der Beratung zur Nutzung von Fernerkundungsdaten sowie bei der Betreuung von Auftraggebern und Kunden.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Wie bist du dazu gekommen, einen technischen Beruf zu w\u00e4hlen?<\/strong><br \/>\n<strong>Gopika:<\/strong> Ich bin ein Star-Trek-Fan und schon als Kind habe ich Astrophysik und die Sterne geliebt. In der Schule waren Naturwissenschaften und Mathematik meine St\u00e4rken, und so beschloss ich nach meinem Bachelor-Abschluss, meinen Traum zu verfolgen und einen Master in Raumfahrttechnik zu machen, um den Sternen n\u00e4her zu kommen.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Wer oder was hat dich am meisten inspiriert, einen technischen Beruf zu w\u00e4hlen?<\/strong><br \/>\n<strong>Gopika:<\/strong> Star Trek!<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Hat dich Technologie und\/oder Programmieren schon immer interessiert?<\/strong><br \/>\n<strong>Gopika:<\/strong> Satellitentechnik Ja. Aber die Programmierung mochte ich nicht. Erst w\u00e4hrend meiner Doktorarbeit habe ich angefangen, das Programmieren zu m\u00f6gen, weil ich damit die M\u00f6glichkeit hatte, mit meinen Fernerkundungsdaten herumzuspielen. Am Ende meiner Doktorarbeit entwickelte ich das erste Python-Programm und eine Methode zur Erkennung von nat\u00fcrlichen \u00d6lquellen im Meer anhand von Radarsatellitenbildern.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Haben deine Eltern und Lehrer deine Vorliebe und dein Interesse f\u00fcr Computer gef\u00f6rdert?<\/strong><br \/>\n<strong>Gopika:<\/strong> Ja. Mein Vater war Kommunikationsspezialist bei der Marine und meine Mutter war Chemielehrerin. Wissenschaft und Radar waren also ein Teil meiner Kindheit.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Was gef\u00e4llt dir an deiner T\u00e4tigkeit am meisten?<\/strong><br \/>\n<strong>Gopika:<\/strong> W\u00e4hrend meiner gesamten Karriere als Fernerkundungswissenschaftlerin hatte ich das Gef\u00fchl, dass meine Arbeit zur Erweiterung des Wissens \u00fcber unseren Planeten beigetragen hat. Ich liebe das Gef\u00fchl, meine technischen F\u00e4higkeiten nutzen zu k\u00f6nnen, um die Erde zu erforschen und sie zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Was ist f\u00fcr dich das Sch\u00f6nste an deinem Arbeitsalltag?<\/strong><br \/>\n<strong>Gopika:<\/strong> Ich kann in jedem Teil der Welt arbeiten und mit Hilfe meiner Satelliten jeden Teil der Welt sehen. Mit Radarsatelliten kann man jeden Teil der Erde bei Tag und Nacht und unabh\u00e4ngig vom Wetter beobachten.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Wo findet man dich in der Freizeit am ehesten?<\/strong><br \/>\n<strong>Gopika:<\/strong> zu Hause mit meinem Kind, bei Freunden, oder beim Badminton<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Welche Botschaft m\u00f6chtest du Frauen oder M\u00e4dchen mitgeben, die sich f\u00fcr Technik interessieren?<\/strong><br \/>\n<strong>Gopika:<\/strong> Wenn du Raumfahrt, Satelliten und den Weltraum interessant findest, dann h\u00f6re nicht auf andere, folge deinem Herzen. Suche dir ein &#8216;Female role model&#8217; oder einen weiblichen Mentor, der dich anleitet. Nimm Kontakt zu Initiativen wie den &#8216;SistersofSAR&#8217; auf und &#8216;go boldly&#8217;!<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Welchen Ratschlag verfolgst du bis heute?<\/strong><br \/>\n<strong>Gopika:<\/strong> &#8216;Go boldly where no one has gone before&#8217;<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Welchen Herausforderungen begegnest du als Frau in deinem Beruf?<\/strong><br \/>\n<strong>Gopika:<\/strong> Als farbige Frau f\u00fchlte ich mich oft ignoriert oder unsichtbar und wurde bei Besprechungen oder potenziellen Jobs (die dann an M\u00e4nner vergeben wurden) \u00fcbersehen. Obwohl ich Deutsch spreche, habe ich manchmal das Gef\u00fchl, dass sich die Leute mehr f\u00fcr meine ethnische Herkunft als f\u00fcr meine technischen F\u00e4higkeiten interessieren, und ich werde bei &#8220;traditionellen Jobs&#8221; \u00fcbersehen, weil ich keine Muttersprachlerin bin.<br \/>\nAls Mutter eines Kindes im Vor-Kita-Alter stehe ich derzeit vor der schwierigen Herausforderung, mich zwischen meinem Sohn und meinem Beruf entscheiden zu m\u00fcssen. Das sollte keine Wahl sein!<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Welche Tipps hast du f\u00fcr Bewerbungsgespr\u00e4che f\u00fcr technische Positionen?<\/strong><br \/>\n<strong>Gopika:<\/strong> Die Forschung zeigt, dass Frauen bei Vorstellungsgespr\u00e4chen ihre St\u00e4rken und Leistungen eher herunterspielen. Mach das nicht.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Frauen in technischen Berufen sind ja leider noch eine Minderheit. Was sind deine Gedanken zu diesem Thema?<\/strong><br \/>\n<strong>Gopika:<\/strong> Ich denke, das liegt daran, dass Frauen nicht sichtbar genug sind und dass es auch heute immer noch mehr M\u00e4nner in Entscheidungspositionen gibt. Wenn Frauen sichtbarer werden, werden junge M\u00e4dchen in der Schule weibliche Mentoren oder &#8216;Role models&#8217; haben, die sie motivieren k\u00f6nnten, technische Studieng\u00e4nge zu studieren.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Was verbindet dich mit Frauen in der Technik?<\/strong><br \/>\n<strong>Gopika:<\/strong> Die Liebe zum Weltraum und zu unserem Planeten<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Bitte beschreibe eine schwierige Situation, der du in deinem Beruf in der Vergangenheit begegnet bist.<\/strong><br \/>\n<strong>Gopika:<\/strong> Nachdem ich meine Promotion abgeschlossen hatte, wurde eine Postdoc-Stelle in meiner Gruppe, f\u00fcr die ich voll qualifiziert war, einem anderen m\u00e4nnlichen Kollegen angeboten (der seine Promotion noch nicht abgeschlossen hatte). Die entscheidungsbefugte Person in der Gruppe hatte keine Antwort, als ich fragte, warum mir die Stelle nicht angeboten wurde. Auch die Universit\u00e4t konnte mir nicht helfen, als ich mich bei ihr beschwerte.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Wohin m\u00f6chtest du dich zeitnah beruflich und pers\u00f6nlich weiter entwickeln?<\/strong><br \/>\n<strong>Gopika:<\/strong> Mit Satelliten kann ich jeden Teil der Welt beobachten. Aber es ist wichtig, die Forschung und Methoden den &#8216;local communities&#8217; in diesen Regionen zu vermitteln, damit sie rechtzeitig Ma\u00dfnahmen umsetzen k\u00f6nnen. Ich m\u00f6chte mich auf das Thema Wissenschaftskommunikation (Schulungen, Trainings und &#8216;Capacity building&#8217;) konzentrieren um den lokalen Kommunen und Entscheidungstr\u00e4gern in diesen Kommunen zu unterst\u00fctzen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Wer sind deine pers\u00f6nlichen oder beruflichen Role Models?<\/strong><br \/>\n<strong>Gopika:<\/strong> Als junges M\u00e4dchen wurde ich von der NASA Astronautin Kalpana Chawla inspiriert.<\/p>\n<p>Ich bin auch Organisatorin einer Twitter-Initiative namens &#8216;Sisters of SAR&#8217;, die Frauen im Bereich der Radar-Fernerkundung sichtbar macht und f\u00f6rdert. Sisters of SAR ist auf Twitter unter dem Twitter-Handle @sistersofSAR zu finden. Besuchen Sie unsere Website, um Frauen in der SAR als potenzielle Mentorinnen oder Arbeitgeberinnen zu finden und um eine Vielzahl von SAR-Ressourcen zu entdecken.<\/p>\n<p><b>Vielen Dank f\u00fcr das Interview, Gopika!<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WIT: Hallo, Gopika, bitte erz\u00e4hle uns doch einmal kurz von dir pers\u00f6nlich. Gopika: Hi! Ich bin 34 Jahre alt, Raumfahrtingenieurin, Expertin f\u00fcr Radarfernerkundung, Python-Programmiererin und Mutter eines 10 Monate alten Kindes. Ich bin in Indien geboren und lebe seit 12 Jahren in Deutschland. 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