{"id":14238,"date":"2021-10-06T09:54:56","date_gmt":"2021-10-06T07:54:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.womenintechev.de\/?p=14238"},"modified":"2021-10-04T11:04:20","modified_gmt":"2021-10-04T09:04:20","slug":"wie-erreicht-man-dass-sich-mehr-frauen-fuer-technik-interessieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.womenintechev.de\/en\/wie-erreicht-man-dass-sich-mehr-frauen-fuer-technik-interessieren\/","title":{"rendered":"Wie erreicht man, dass sich mehr Frauen f\u00fcr Technik interessieren?"},"content":{"rendered":"<p>Programmieren war f\u00fcr mich immer eine Art K\u00f6nigsdisziplin. Entwickler und Informatiker waren aus meiner Sicht \u201eComputer-Nerds\u201c, die sich schon in jungen Jahren das Coden selbst beigebracht haben. Ich habe bewusst nicht gegendert, weil besagte IT-ler in meiner Vorstellung immer M\u00e4nner waren.<\/p>\n<p>Erst durch die Development-Initiative von Microsoft \u201eSkill Her\u201c, die weiterf\u00fchrende Auseinandersetzung mit IT-Themen \u00fcber die Aufnahme eines Mentoring-Programms als Mentee und das Networking in entsprechenden Gruppen und Vereinen, erkannte ich, dass auch ich als junge Frau, die noch nie die traditionell erste Zeile Code \u201eprint(\u201aHello World!\u2018)\u201c geschrieben hat, in der IT-Branche mitspielen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Mit einem <strong>Frauenanteil von nicht mal 20% in der deutschen und \u00f6sterreichischen IT-Branche<\/strong> sind wir noch weit von unserem Ziel und dem Fortschritt in anderen L\u00e4ndern, wie Bulgarien (28%) und Rum\u00e4nien (26%), entfernt. Dabei gibt es so viele positive Aspekte, die durch mehr Frauen in MINT-Berufen erreicht werden k\u00f6nnen. Allgemein tragen diverse Teams (und dazu geh\u00f6ren nicht nur unterschiedliche Geschlechter, sondern auch unterschiedliche Denkweisen) zu einer angenehmen Arbeitsatmosph\u00e4re bei und sorgen zum anderen daf\u00fcr, dass durch vielseitige Denk- und Herangehensweisen bessere und effizientere Ergebnisse erzielt werden.<\/p>\n<p>Diese Erfahrung habe ich bereits im Rahmen meiner Studienzeit gemacht. Je durchmischter das Team, desto bunter und zahlreicher sind die dabei entstehenden Ideen. Diesen Zusammenhang zwischen Diversit\u00e4t und Gesch\u00e4ftserfolg best\u00e4tigte eine McKinsey-Studie bereits im Jahr 2018, die zu dem Schluss kam, dass mit einem h\u00f6heren Grad an Diversit\u00e4t die Wahrscheinlichkeit, \u00fcberdurchschnittlich erfolgreich zu sein, bei 21% liegt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Mein Interesse f\u00fcr Technik begann bereits in meiner Kindheit durch technisches Spielzeug und famili\u00e4re Einfl\u00fcsse. Ein entscheidendes Vorbild war mein Vater, der selbst Installateur- und Heizungsbaumeister war, wodurch ich fr\u00fch mit Tech-Themen in Ber\u00fchrung kam. Ich komme allgemein aus einer sehr handwerklich-technisch gepr\u00e4gten Familie, was meinen Bezug zur Baubranche und meine aktuelle T\u00e4tigkeit im Gro\u00dfhandel f\u00fcr Sanit\u00e4r-, Heizung- und Klimatechnik begr\u00fcndet.<\/p>\n<p><strong>Man muss die Ursache des Problems bek\u00e4mpfen und M\u00e4dchen von klein auf, bereits in der Schule, f\u00fcr Tech begeistern, um die MINT-Kompetenz zu st\u00e4rken und damit das Vertrauen in die eigenen naturwissenschaftlichen F\u00e4higkeiten.<\/strong> Denn mit einem Alter von 15-16 Jahren werden bei vielen M\u00e4dchen und Jungen die ersten Weichen f\u00fcr die weitere Karriere gestellt, indem sie bestimmte F\u00e4cher aus- oder abw\u00e4hlen, sich f\u00fcr oder gegen ein Abitur entscheiden oder sich mit ihren Noten f\u00fcr bestimmte Berufe empfehlen &#8211; oder eben nicht. Durch die Integration technischer Themen in Form von Projektarbeiten o.\u00e4. in den regul\u00e4ren Schulunterricht, k\u00f6nnen dort bereits Ber\u00fchrungs\u00e4ngste gegen\u00fcber F\u00e4chern wie Mathematik und Physik gezielt abgebaut werden, indem Aufmerksamkeit hierf\u00fcr hergestellt und Neugier geweckt wird.<\/p>\n<p>M\u00e4dchen interessieren sich als Kinder genauso f\u00fcr Naturwissenschaften und Technologien wie Jungen. Es liegt also keineswegs daran, dass M\u00e4dchen nicht f\u00fcr Technik geeignet w\u00e4ren. Es muss ihnen nur der Weg dahin gezeigt werden.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus muss das Interesse aufrechtgehalten werden, indem die pers\u00f6nliche Bedeutung des Themas f\u00fcr M\u00e4dchen verdeutlicht wird. Die N\u00fctzlichkeit und Relevanz von Technik f\u00fcr viele andere Bereiche wie z.B. Solar- und Hybridtechnologien f\u00fcr den Klimawandel oder Techniken zur Wasseraufbereitung f\u00fcr Entwicklungshilfen, kann dazu genutzt werden, um M\u00e4dchen an Technik zu interessieren. <strong>Technik kann f\u00fcr ein Lebensumfeld auch \u201egestaltend\u201c sein und nach Kreativit\u00e4t verlangen.<\/strong><\/p>\n<p>Punktuelle Initiativen wie der \u201eGirl\u2019s Day\u201c sind f\u00fcr das Aufrechterhalten des Interesses einfach nicht genug. Allen voran m\u00fcssen aber auch die Lehrkr\u00e4fte entsprechend weitergebildet werden und auch die Eltern sind angehalten, das Interesse ihrer T\u00f6chter an Zahlen und Technik zu wecken und ihnen Karrierechancen abseits klassischer \u201eFrauenberufe\u201c aufzuzeigen.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich gilt aber: <strong>Frauen sollten sich \u00f6fter trauen, mit Klischees zu brechen, vermeintlich verr\u00fcckte Wege einzuschlagen und \u00f6fter \u201eJa\u201c zu gro\u00dfen Herausforderungen zu sagen.<\/strong> Frauen scheinen h\u00e4ufig darauf zu warten, f\u00fcr einen Karriereschritt 100% bereit zu sein, w\u00e4hrend M\u00e4nner oftmals nach ihrem Potenzial entscheiden, frei nach dem Motto \u201edas wird schon passen\u201c. So werden z.B. viele Frauen ohne MINT-Hintergrund von der IT abgeschreckt, weil sie annehmen, nicht genug zu wissen, um erfolgreich zu sein oder Frauen mit MINT-Hintergrund Angst haben, in einer noch m\u00e4nnerdominierten T\u00e4tigkeit unterzugehen. Der Karriereweg in die IT wird also viel zu oft auf Basis falscher Annahmen oder \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Vorsicht verworfen. Dabei ist der Bereich der IT nur eines von vielen Beispielen.\u00a0Es geht also vor allem darum, veraltete und hindernde Denkweisen aufzubrechen, damit mehr Frauen in die technischen Berufsfelder einsteigen.<\/p>\n<p><strong>Wir brauchen mehr weibliche Vorbilder, die zeigen, dass die IT oder auch allgemein die Tech-Branche unser \u201eplace to be\u201c ist.<\/strong> Frauen repr\u00e4sentieren 50% der Bev\u00f6lkerung, aber nicht mal 20% in den Tech-Branchen dieser Welt. Die Digitalisierung ver\u00e4ndert unsere Gesellschaft. Ein Wandel, der nicht aufzuhalten und ohne Frauen f\u00fcr mich undenkbar ist. In ihrem Buch \u201eUnsichtbare Frauen\u201c beschreibt die britische Autorin Caroline Criado-Perez, wie durch Verzerrungen und Vorurteile \u201eBias\u201c in Datenerhebungen die kontinuierliche und systematische Diskriminierung von Frauen weiter versch\u00e4rft wird. So schreibt Criado-Perez: \u201eEine Welt, die f\u00fcr alle funktionieren soll, k\u00f6nnen wir nicht ohne Frauen entwerfen.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Zumal es nichts Spannenderes gibt, als Teil dieser Bewegung zu sein und die Welt am Puls der Zeit zu ver\u00e4ndern. Wir brauchen mehr weibliche Vorbilder, die Anreiz f\u00fcr andere Frauen und M\u00e4dchen schaffen, den Schritt in die Tech und die IT-Branche zu gehen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. McKinsey, Study: Delivering through diversity, 2018<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. Criado-Perez, C., Unsichtbare Frauen: Wie eine von Daten beherrschte Welt die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung ignoriert, 2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Programmieren war f\u00fcr mich immer eine Art K\u00f6nigsdisziplin. Entwickler und Informatiker waren aus meiner Sicht \u201eComputer-Nerds\u201c, die sich schon in jungen Jahren das Coden selbst beigebracht haben. Ich habe bewusst nicht gegendert, weil besagte IT-ler in meiner Vorstellung immer M\u00e4nner waren. 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