{"id":13917,"date":"2021-07-23T16:27:39","date_gmt":"2021-07-23T14:27:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.womenintechev.de\/?p=13917"},"modified":"2023-06-01T14:56:19","modified_gmt":"2023-06-01T12:56:19","slug":"interview-mit-janine-mayer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.womenintechev.de\/en\/interview-mit-janine-mayer\/","title":{"rendered":"Interview mit Janine Mayer, Prozessmanagerin"},"content":{"rendered":"<p><strong>WIT:<\/strong> Hallo, Janine, bitte erz\u00e4hle uns doch einmal kurz von dir pers\u00f6nlich.<br \/>\n<strong>Janine:<\/strong> Hi! Ich bin Janine und 23 Jahre alt. Geb\u00fcrtig komme ich aus Schleswig-Holstein, lebe und arbeite heute aber in der sch\u00f6nsten Hansestadt der Welt, in Hamburg.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> Was machst du beruflich?<br \/>\n<strong>Janine:<\/strong> Ich bin als Prozessmanagerin in einem mittelst\u00e4ndischen Unternehmen t\u00e4tig. Dort agiere ich als Stab- und Schnittstelle zur IT.<br \/>\nZus\u00e4tzlich bin ich f\u00fcr den Bereich Compliance zust\u00e4ndig und seit Kurzem \u00fcbernehme ich als Key Userin projektbezogene T\u00e4tigkeiten bei der Implementierung eines neuen standort\u00fcbergreifenden ERP-Systems.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> Was genau versteckt sich hinter deiner Berufsbezeichnung?<br \/>\n<strong>Janine:<\/strong> Tats\u00e4chlich habe ich sehr vielseitige Aufgabenbereiche. Zusammengefasst kann man aber sagen, dass das Prozessmanagement sicherstellt, dass die Vielzahl von Prozessen innerhalb einer Unternehmensorganisation vor dem Hintergrund der Unternehmensziele abgestimmt und koordiniert funktionieren. Die obersten Ziele dabei stellen Effektivit\u00e4t, Produktivit\u00e4t und somit Kundenzufriedenheit dar. Bei Bedarf werden Prozesse optimiert und vermehrt durch IT gest\u00fctzte L\u00f6sungen digitalisiert. Dar\u00fcber hinaus geh\u00f6rt auch die Organisation und Sicherstellung der Prozessdokumentation im Rahmen des internen TQMs zu meinen Aufgaben.<br \/>\nHierbei fallen je nach Unternehmensbereich und Prozess nat\u00fcrlich ganz unterschiedliche Aufgaben an. Hier gilt es flexibel zu sein und sich schnell in neue Themen reindenken zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDas jetzige Prozessmanagement wird sich durch die Implementierung des ERP-Systems in den n\u00e4chsten 1-2 Jahren vollst\u00e4ndig ver\u00e4ndern. Diesen Change werde ich von Beginn an mitbegleiten. Das wird eine spannende Zeit!<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> Wie bist du dazu gekommen, einen technischen Beruf zu w\u00e4hlen?<br \/>\n<strong>Janine:<\/strong> Meine Begeisterung f\u00fcr IT und Technik hat sich erst w\u00e4hrend meines Studiums und mit meinen ersten beruflichen Erfahrungen entwickelt. W\u00e4hrend des BWL-Studiums war ich bereits von den M\u00f6glichkeiten der Programmiersprache R fasziniert, die anders als Python in Data Science, in der Statistik zuhause ist. Ich bin jedoch nie tiefer eingestiegen. F\u00fcr mich war Technik vor allem aus Nutzerperspektive interessant, insbesondere dann, wenn dadurch mein Leben einfacher oder Prozesse beschleunigt werden konnten.<\/p>\n<p>Zum Wintersemester diesen Jahres werde in dann meinen berufsbegleitenden M.Sc. in Business Consulting &amp; Digital Management beginnen und damit den \u201eDeep Dive\u201c in das Thema wagen, um mich auch theoretisch weiterf\u00fchrend mit der Br\u00fccke zwischen Tech und Business auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p>Da ich noch sehr am Anfang meiner Karriere stehe, habe ich bisher noch nicht viel technisches Wissen, aber bisher kann ich sagen, dass je mehr ich anfange zu lernen, desto mehr liebe ich es.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> Wer oder was hat dich am meisten inspiriert, einen technischen Beruf zu w\u00e4hlen?<br \/>\n<strong>Janine:<\/strong> Die Tech-Branche ist sehr schnelllebig, man lernt st\u00e4ndig dazu und es sind die verschiedensten Dinge m\u00f6glich. Besonders KI und die Vielfalt der M\u00f6glichkeiten und Themen dazu faszinieren mich.<\/p>\n<p>In diesem Bereich sehe ich auch besonders f\u00fcr Deutschland, als viertgr\u00f6\u00dfter Industriestandort, viel Potenzial, KI in der Produktion einzusetzen. Aber vor allem die aktuelle Corona Pandemie hat uns gezeigt, dass der Pflegebereich Unterst\u00fctzung und Entlastung ben\u00f6tigt. Auch hier g\u00e4be es aus meiner Sicht Einsatzm\u00f6glichkeiten f\u00fcr KI. Patienten k\u00f6nnten mit Hilfe von KI-L\u00f6sungen fern\u00fcberwacht werden, um Warnsignale wie Husten fr\u00fcher wahrzunehmen. Der Einsatz kleiner Roboter mit Spracherkennung k\u00f6nnen Essensw\u00fcnsche abfragen. Dies erm\u00f6glicht den Pflegekr\u00e4fte Aufgaben an anderer Stelle nachzukommen.<\/p>\n<p>Es ist eine so aufregende Branche, in der man Innovationen, Kreativit\u00e4t und Probleml\u00f6sung vereint. Im Zentrum von Technik und IT steht der Mensch \u2013 all die Innovationen und Dienstleistungen sollen den Alltag der Menschen einfacherer, besser, sicherer machen \u2013 und deshalb m\u00f6chte ich mein technisches Wissen und meine F\u00e4higkeiten, besonders in KI, ausweiten.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> Hat dich Technologie und\/oder Programmieren schon immer interessiert?<br \/>\n<strong>Janine:<\/strong> Tats\u00e4chlich nicht. Ich hatte w\u00e4hrend der Schulzeit \u00fcberhaupt keine Verbindung zu dem Thema und habe mich auch im ersten Schritt nicht f\u00fcr ein technisches Studium entschieden, obwohl ich immer gut in Mathe und Physik war. W\u00e4hrend meines Dualen Studiums und meinen ersten beruflichen Erfahrungen waren es dann aber immer vor allem IT-Themen, die mich besonders begeistert haben. Ich selbst habe mich dort jedoch, speziell im Programmieren, nie gesehen. Im Nachhinein finde ich es sehr schade, dass ich Programmieren nicht schon in der Schule kennengelernt habe.<\/p>\n<p>Denn lange war Informatik in meinem Kopf etwas Unerreichbares. Eine Art K\u00f6nigsdisziplin in der Technik, die ich mir nicht zugetraut habe. Mittlerweile bin ich mir sicher, dass ich mich mit einigen Programmierumgebungen und Frameworks wie Java und Python aus reinem Interesse noch n\u00e4her auseinandersetzen werde, da ich meinen Horizont auch einfach in diese Richtung erweitern m\u00f6chte. Es gibt sehr viele M\u00f6glichkeiten sich selbst Themen beizubringen.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> Haben deine Eltern und Lehrer deine Vorliebe und dein Interesse f\u00fcr Computer gef\u00f6rdert?<br \/>\n<strong>Janine:<\/strong> Meine Familie und Freunde sind mein R\u00fcckhalt und standen bei jedem meiner Schritte hinter mir. Aufgrund dessen habe ich die M\u00f6glichkeit, dass ich als Frau weniger Chancen auf Erfolg haben k\u00f6nnte, v\u00f6llig ignoriert. Du kannst jedes Ziel erreichen, das du dir gesetzt hast, wenn du daf\u00fcr arbeitest!<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> Was gef\u00e4llt dir an deiner T\u00e4tigkeit am meisten?<br \/>\n<strong>Janine:<\/strong> Die Abwechslung. Als Prozessmanagerin gibt es in der Regel eine Problemstellung, die man l\u00f6sen muss. Der L\u00f6sungsweg dahin ist erstmal offen. Mir gibt niemand vor, wie die L\u00f6sung ganz genau aussehen muss, sondern ich kann erstmal sehr kreativ sein und ausprobieren, was alles funktionieren k\u00f6nnte. Ich kann meine Kreativit\u00e4t einsetzen. Diese Freiheit motiviert mich jede Tag aufs Neue. Besonders spannend wird es nat\u00fcrlich dann, wenn mithilfe von IT-L\u00f6sungen die Komplexit\u00e4t eines Prozesses gel\u00f6st werden soll.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> Wo findet man dich in der Freizeit am ehesten?<br \/>\n<strong>Janine:<\/strong> In meiner Freizeit bin ich gerne sportlich aktiv, entweder in der Sporthalle mit meine Basketball-Team oder mit dem SUP auf der Alster in Hamburg. Ich lese und lerne in meiner Freizeit aber auch viel, weil es immer Neues zu entdecken und zu lernen gibt. Ich interessiere mich f\u00fcr viel Verschiedenes.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> Welche Botschaft m\u00f6chtest du Frauen oder M\u00e4dchen mitgeben, die sich f\u00fcr Technik interessieren?<br \/>\n<strong>Janine:<\/strong> Kommuniziere deine Kompetenz und Qualifikation, mache dich sichtbar, um dich durchzusetzen. Sich mit anderen Frauen zu vernetzen und auszutauschen, ist ein echter Benefit in der Tech-Welt, den man unbedingt nutzen sollte. Aus eigener Erfahrung kann ich besonders den Austausch mit einer erfahrenen Mentorin empfehlen.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> Welchen Ratschlag verfolgst du bis heute?<br \/>\n<strong>Janine:<\/strong> Selbstbewusstsein und Vertrauen in sich und die eigene Expertise. Mit Zur\u00fcckhaltung oder falscher Bescheidenheit hat noch keiner Karriere gemacht.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> Welchen Herausforderungen begegnest du als Frau in deinem Beruf?<br \/>\n<strong>Janine:<\/strong> Die positive Resonanz auf mein Interesse f\u00fcr Technik hat die negative bei weitem \u00fcbert\u00f6nt. Wenn man erstmal so weit gekommen ist, beschlossen zu haben, einen Weg in Richtung MINT einzuschlagen, kommen die vielen tollen F\u00f6rderangebote fast von alleine.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise habe ich nie negative Erfahrung damit machen m\u00fcssen, dass mir jemand Steine in den Weg gelegt hat. Vielmehr habe ich Menschen kennengelernt, die mir w\u00e4hrend meiner Reise bis heute geholfen haben. Daf\u00fcr bin ich ihnen sehr dankbar.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> Frauen in technischen Berufen sind ja leider noch eine Minderheit. Was sind deine Gedanken mit diesem Thema?<br \/>\n<strong>Janine:<\/strong> Ich denke, das liegt daran, dass wir gew\u00f6hnlich auf andere Karrierewege gelenkt werden. Die Tech-Branche wird den meisten aufwachsenden Frauen nicht einmal als Option angeboten. Viele wissen also gar nicht, dass es die Branche \u00fcberhaupt gibt oder haben nicht gen\u00fcgend Informationen \u00fcber die Arbeit und die dazugeh\u00f6rigen Jobs in der Tech-Branche. Vielen Frauen ist also gar nicht klar, in welchen Bereichen man t\u00e4tig sein kann, ohne gleich Vollzeit-Entwicklerin sein zu m\u00fcssen. Ich wei\u00df, dass das bei mir der Fall war.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> Was verbindet dich mit Frauen in der Technik?<br \/>\n<strong>Janine:<\/strong> Der Wille, mit Technik ein Unternehmen, eine Organisation und unseren Alltag ein bisschen besser und einfacher zu gestalten.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> Wohin m\u00f6chtest du dich zeitnah beruflich und pers\u00f6nlich weiter entwickeln?<br \/>\n<strong>Janine:<\/strong> Ich stehe noch ganz am Anfang meiner Karriere und vor allem auch am Anfang meines Weges weiter Fu\u00df in der Tech-Branche zu fassen. Bislang habe ich in Digitalisierungsprojekten im Mittelstand gearbeitet und dort als Schnittstelle zur IT meine Erfahrungen gesammelt. Auf diesen Erfahrungen m\u00f6chte ich aufbauen, Neues lernen, mit meinem bevorstehenden Master den n\u00e4chsten Meilenstein auf meinem Entwicklungsweg setzen und nach den Sternen greifen.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> Wer sind deine pers\u00f6nlichen oder beruflichen Role Models?<br \/>\n<strong>Janine:<\/strong> Role Models sind wichtige Vorbilder und Wegweiser f\u00fcr den eigenen Weg. Es sind Frauen, die mich durch ihr Engagement, ihre Pl\u00e4ne und was sie schon erreicht haben unglaublich inspirieren und motivieren.<\/p>\n<p>Ich denke da z.B. an unsere ganzen Hamburger IT-Frauen, wie Anja Schumann (moinworld), Diana Knodel (AppCamps, Fobizz), Tereza Iofciu (Women in AI), Julia Freudenberg (Hacker School), Julia Heidinger &amp; Sabrina Jodexnis (Social Developers Club).<\/p>\n<p>Ich finde es gro\u00dfartig, was viele Frauen f\u00fcr mehr Sichtbarkeit und Empowerment in der Branche auf die Beine stellen und mit anderen teilen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Role Model f\u00fcr mich ist meine Mentorin Maryna Herter (Microsoft), mit der ich \u00fcber die Organisation &#8220;Aufsteiger&#8221; seit Anfang des Jahres in Kontakt getreten bin und seither intensiv zusammenarbeite. Mich begeistert ihre nie endende Motivation, Innovationsfreudigkeit und was sie auf ihrem Entwicklungsweg schon alles erreichen konnte.<\/p>\n<p>Ich freue mich immer \u00fcber den Austausch und \u00fcber neue Netzwerke, daher schreibt mir gerne bei LinkedIn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WIT: Hallo, Janine, bitte erz\u00e4hle uns doch einmal kurz von dir pers\u00f6nlich. Janine: Hi! Ich bin Janine und 23 Jahre alt. Geb\u00fcrtig komme ich aus Schleswig-Holstein, lebe und arbeite heute aber in der sch\u00f6nsten Hansestadt der Welt, in Hamburg. WIT: Was machst du beruflich? Janine: Ich bin als Prozessmanagerin in einem mittelst\u00e4ndischen Unternehmen t\u00e4tig. 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