{"id":13796,"date":"2021-09-29T09:08:00","date_gmt":"2021-09-29T07:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.womenintechev.de\/?p=13796"},"modified":"2021-09-23T15:37:35","modified_gmt":"2021-09-23T13:37:35","slug":"wie-problemloesung-funktionieren-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.womenintechev.de\/en\/wie-problemloesung-funktionieren-kann\/","title":{"rendered":"Wie Probleml\u00f6sung funktionieren kann"},"content":{"rendered":"<p>Beim <a href=\"https:\/\/www.wearedevelopers.com\/world-congress\/\">WeAreDevelopers Congress 2021<\/a> diskutierten Kriti Sharma (Gr\u00fcnderin von <a href=\"https:\/\/www.aiforgood.co.uk\/\">AI for Good<\/a>, Forbes Magazin &#8220;30 under 30 &#8211; Technology List&#8221;) und Sir Tim Berners-Lee (Erfinder des World Wide Web) \u00fcber die Art, wie (junge) Developer an Projekte herangehen k\u00f6nnen und welche Fragestellungen dabei helfen k\u00f6nnen, ein Problem zu l\u00f6sen. Dabei ging es gar nicht mal so sehr um spezifische Development-Projekte, sondern ganz allgemein um Probleml\u00f6sungen wie wir sie tagt\u00e4glich erleben.<\/p>\n<p>Die erste Fragestellung, die dabei hilft ist: <strong>Welches (gro\u00dfe) Problem l\u00f6se ich?<\/strong><\/p>\n<p>Nur wenn du wei\u00dft, welches Problem du eigentlich l\u00f6sen m\u00f6chtest, kannst du dich damit besch\u00e4ftigen, es in kleinere L\u00f6sungsans\u00e4tze runterzubrechen. Wenn also das gro\u00dfe Problem die Klimakrise (einfach mal als Beispiel) ist, kannst du dies in kleineren Ans\u00e4tzen angehen, denn ein riesiges Problem ist nunmal nicht einfach so ad hoc l\u00f6sbar. In diesem Beispiel k\u00f6nnten also die L\u00f6sungsans\u00e4tze sein:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie l\u00e4sst sich CO2 aus der Athmosph\u00e4re heraus holen?<\/li>\n<li>Wie viele B\u00e4ume muss ich pflanzen, um den CO2 Verbrauch meines Wohnorts zu kompensieren?<\/li>\n<li>Welche Alternativen zu Lithium-Ionen Akkus k\u00f6nnten die E-Mobilit\u00e4t verbessern?<\/li>\n<li>Wie lassen sich Server-Farmen besser k\u00fchlen, um weniger Strom zu verbrauchen?<\/li>\n<li>Wie k\u00f6nnen Privathaushalte Sonne, Wind und Wasser als autarke Energiequelle nutzen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das als Denkanst\u00f6\u00dfe f\u00fcr all diejenigen, die von den gro\u00dfen Problemen abgeschreckt sind. \ud83d\ude09<br \/>\nDie Herangehensweise l\u00e4sst sich nat\u00fcrlich auch im Development umsetzen: Wenn mein Ziel ist, eine App zu entwickeln, muss ich mir vorher auch \u00fcberlegen, wie dies im Detail aussieht, welche Funktionen sie haben soll und wie ich diese entwickle, welche Schnittstellen ich evtl. brauche, welche Prozesse sich abspielen usw.<\/p>\n<p>Die weitere Fragestellung, die sich bei jeder Innovation oder Entwicklung stellt ist: <strong>Was sind potenzielle kriminelle Anwendungsm\u00f6glichkeiten? Wie kann ich dies verhindern? Was ist das worst-case-Szenario?<\/strong><\/p>\n<p>Hierbei geht es allerdings nicht darum, den Kopf in den Sand zu stecken, weil man bef\u00fcrchtet, es geschehe nur B\u00f6ses! Es geht vielmehr darum, dass man sich von Anfang an Gedanken dar\u00fcber macht, ob das entwickelte Produkt in eine kriminelle Richtung abdriften kann oder die Wahrscheinlichkeit besteht, dass sich ein Debakel abspielt. Mit Sicherheit l\u00e4sst sich nicht alles voraussehen, in welche Richtung letztendlich eine Entwicklung f\u00fchrt. Ganz nach dem Motto <em>&#8220;Hope for the best, prepare for the worst&#8221;<\/em> solltest du dir immer \u00fcberlegen, wo es Szenarien gibt, die ungut sind und wie du diese vermeiden kannst.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Frage lautet: <strong>Wie muss die zugrundeliegende Infrastruktur sein?<\/strong><\/p>\n<p>Hier berichtete Sir Tim Berners-Lee von den Anf\u00e4ngen des Internets und wie sich dieses entwickelt hat. Auch die Infrastruktur entwickelt sich st\u00e4ndig weiter. So ist es nicht verwunderlich, dass die Fragestellung ein wichtiger Punkt in der Probleml\u00f6sung ist. Ein ganz gro\u00dfes Beispiel, das ich an dieser Stelle wieder einmal nenne ist: Ein Teilnehmer auf einer Konferenz erz\u00e4hlte mir, dass er in S\u00fcdafrika bessere Internet- und Mobilfunkverbindungen hat als in Deutschland. Ist vielleicht eine kleine Probleml\u00f6sung, dass wir in Deutschland einfach als erstes die Infrastruktur des Internets angehen?<\/p>\n<p>Zum anderen geht es bei der Infrastruktur nat\u00fcrlich auch um Hardware und Software. Nehmen wir wieder das Beispiel der App-Entwicklung: Statt wie zu Beginn f\u00fcr zwei oder drei verschiedene Systeme zu entwickeln, m\u00fcssen heute viele Apps f\u00fcr mehr Betriebssysteme angepasst werden. Auch Webseiten werden f\u00fcr die 4 g\u00e4ngigsten Browser optimiert. Die Vielzahl der Systeme bedeutet auch immer eine Entscheidung, ob man nur eines oder mehrere davon in die Entwicklung mit einbezieht. Auch die Vielzahl an Ger\u00e4ten, auf denen Apps und Webseiten einwandfrei laufen m\u00fcssen, bergen Fehlerpotenzial. Manchmal sind es nur minimale Abweichungen, die im Development zu extra Aufw\u00e4nden f\u00fchren. All dies gilt es also zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>In der analogen Welt gibt es allerdings \u00e4hnliche Beispiele. Setzt man zum Beispiel voraus, dass Benutzende bestimmte Ger\u00e4te haben, um ein Produkt richtig bedienen zu k\u00f6nnen? Setze ich zum Beispiel voraus, dass eine Schere im Haushalt verf\u00fcgbar ist? Warum packt IKEA zu seinen M\u00f6bel-Paketen teilweise einen Imbusschl\u00fcssel mit dazu? Warum verkaufen viele Kaffeemaschinen-Hersteller gleichzeitig auch passende Tassen? Warum haben E-Autos nicht alle den gleichen Ladestecker? Wenn du also ein Problem l\u00f6sen m\u00f6chtest, \u00fcberlege dir gut, was an zugrundeligender Infrastruktur notwendig ist.<\/p>\n<p>Die finale Fragestellung ist: <strong>Gibt es Gesetze oder Richtlinien, die ver\u00e4ndert werden m\u00fcssen? Welche Regulatoren sind im Spiel?<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es wichtig, sich an Gesetze zu halten. Genauso ist es aber auch notwendig, dass Gesetze mit Neuerungen und Entwicklungen sich \u00e4ndern, was vielmals Jahre oder gar Jahrzehnte dauern kann. Ein ganz aktuelles Beispiel ist der so genannte Upload-Filter, der hitzig diskutiert wird. Auch die DSGVO war f\u00fcr viele Web- und App-Entwicklenden eine ordentliche Herausforderung (ganz zu schweigen von Kleinunternehmen). Es gibt also einerseits Richtlinien und Gesetze, die bereits vorhanden sind, andererseits aber auch welche, die noch gar nicht existieren und vielleicht durch deine Entwicklung erst ins Leben gerufen werden (m\u00fcssen).<\/p>\n<p>Ein Beispiel: Im Jahr 1999 wurde <em>Napster<\/em> entwickelt, eine Musik-Tauschb\u00f6rse, die \u00fcber das Internet die eigenen MP3-Dateien an einen Server lieferte, wo wiederum andere Napster-User die Musik abgreifen konnten. Die User hat es gefreut, die Musikindustrie sah allerdings ganz erheblich die Urheberrechte ihrer K\u00fcnstler verletzt und f\u00fcr Napster hagelte es mehrere Klagen. Der Beliebtheit des Dienstes tat es allerdings keinen Abbruch. Die Weiterentwicklung des Dienstes wurde durch zahlreiche Kooperationsvertr\u00e4ge mit namhaften Musik-Produktionsfirmen und einem kommerziell untermauerten Angebot legaler, parallel dazu lieferten immer wieder neu auftretende Klagen die Rechtsprechungen, die das Urheberrecht verwandelten. Die Grundidee hat sich also weiterentwickelt und hat im gleichen Zug das Urheberrecht f\u00fcr Musikproduzierende ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind Rechtsstreite teuer und nicht jedes Startup kann sich einen solch m\u00fchsamen Weg leisten. Aber: Lass dich nicht von aktuell g\u00fcltigen Gesetzen komplett einsch\u00fcchtern und nimm diese nicht als absolut unver\u00e4nderbar wahr. Es gibt viele Wege, die Welt zu ver\u00e4ndern, und wenn dazu eine Gesetzesanpassung notwendig ist, finde eine M\u00f6glichkeit, diese anzusto\u00dfen.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Probleme lassen sich nicht schnell und un\u00fcberlegt l\u00f6sen. Es braucht \u00dcberlegungen, die manchmal auch l\u00e4nger dauern als die Umsetzung selbst, aber dennoch wichtig sind. Denn nachhaltige L\u00f6sungsans\u00e4tze entstehen nicht auf die Schnelle, sondern mit einem langen Entwicklungsweg, der durchaus auch mal unangenehm werden kann.<\/p>\n<p>Auch wir von Women in Tech e.V. sehen uns immer wieder mit H\u00fcrden konfrontiert, die wir am liebsten schnell und einfach beseitigen wollen. Die M\u00fchlen der B\u00fcrokratie und Gesetzgebung mahlen aber nunmal langsam, aber wenn wir gar nichts tun, wird sich auch nichts ver\u00e4ndern. In diesem Sinne: Lasst uns die Probleme dieser Welt anpacken &#8211; one small step at a time.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim WeAreDevelopers Congress 2021 diskutierten Kriti Sharma (Gr\u00fcnderin von AI for Good, Forbes Magazin &#8220;30 under 30 &#8211; Technology List&#8221;) und Sir Tim Berners-Lee (Erfinder des World Wide Web) \u00fcber die Art, wie (junge) Developer an Projekte herangehen k\u00f6nnen und welche Fragestellungen dabei helfen k\u00f6nnen, ein Problem zu l\u00f6sen. 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