{"id":12662,"date":"2021-03-19T10:19:48","date_gmt":"2021-03-19T09:19:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.womenintechev.de\/?p=12662"},"modified":"2024-08-06T19:15:20","modified_gmt":"2024-08-06T17:15:20","slug":"interview-mit-josefine-theden-schow","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.womenintechev.de\/en\/interview-mit-josefine-theden-schow\/","title":{"rendered":"Interview mit Josefine Theden-Schow, Digitale Bildung bei Neuland21"},"content":{"rendered":"<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Hallo, Josefine, bitte erz\u00e4hle uns doch einmal kurz von dir pers\u00f6nlich.<\/strong><br \/>\n<strong>Josefine:<\/strong> Ich bin Josefine, bin 29 Jahre alt und erlebe gerade meine besten Jahre vor der 30 im Corona-Lockdown. Anfangs dachte ich noch, dass diese Zwangs-Entschleunigung herrlich ist und ich selbstverst\u00e4ndlich 24\/7 mit meinen 3 Geschwistern bei meinen Eltern Zuhause abh\u00e4ngen darf, aber mittlerweile bef\u00e4llt mich eher das Gef\u00fchl, dass ich unfreiwillig und unbemerkt in meinen Verhaltensmustern 10 Jahre gealtert bin.<\/p>\n<p><strong>WIT: Was machst du beruflich?<\/strong><br \/>\n<strong>Josefine:<\/strong> Ich arbeite f\u00fcr den think and do tank <a href=\"https:\/\/neuland21.de\/\">Neuland21<\/a>, der sich f\u00fcr das Landleben im 21. Jahrhundert einsetzt. Wir nutzen die Digitalisierung, um soziale Innovation und mehr Lebensqualit\u00e4t im l\u00e4ndlichen Raum zu schaffen. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Open Government Team, bin ich bei Neuland21 verantwortlich f\u00fcr das Thema Digitale Bildung.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Wie bist du dazu gekommen, einen technischen Beruf zu w\u00e4hlen?<\/strong><br \/>\n<strong>Josefine:<\/strong> Eigentlich bin ich studierte Medien- und Kommunikationsmanagerin und habe nach meinem Studium in K\u00f6ln auch l\u00e4ngere Zeit in diesem Berufsfeld gearbeitet und zwar als Managerin im Digitalen Produktmarketing bei Media Impact, einem Tochterunternehmen der Axel Springer SE. Dort habe ich neue digitale Anzeigenpl\u00e4tze f\u00fcr Werbekunden geschaffen und die Performance dieser optimiert. Als Mitarbeiterin im Marketing, habe ich die Produkte nat\u00fcrlich aus Kunden- und Marktsicht entwickelt und diese dann zur Umsetzung an das Techi-Team gegeben. Ab und zu gab es dann bei der Umsetzung meiner Produkte doch Einw\u00e4nde aus dem Techi-Team und meine Versuche zu diskutieren wurden meist schnell mit technischen Argumenten, die f\u00fcr mich Fremdsprache waren, im Keime erloschen. Dies ermutigte mich 2019 dann dazu meinem Interesse an der Informatik nachzugehen und ich k\u00fcndigte meinen Job, reiste nach Tel Aviv und nahm an dem neunw\u00f6chigen Fullstack Coding Bootcamp von Le Wagon teil.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Wer oder was hat dich am meisten inspiriert, einen technischen Beruf zu w\u00e4hlen?<\/strong><br \/>\n<strong>Josefine:<\/strong> Am meisten inspiriert einen technischen Beruf zu w\u00e4hlen, hat mich das kryptische, futuristische und zukunftssichere am Programmieren. Nat\u00fcrlich ist Programmieren, nach dem man den Syntax einmal verstanden hat, nicht mehr ganz so kryptisch und futuristisch, aber ich bin nach wie vor davon \u00fcberzeugt, dass es zukunftssicher ist und bleibt. Auch wenn es irgendwann Systeme geben wird, die das Programmieren in Gewisser Art und Weise \u00fcbernehmen werden, wird es immer Fachkr\u00e4fte geben m\u00fcssen, die diese Systeme entwickeln und auch \u00fcberwachen.<br \/>\nGetriggert hat mich nat\u00fcrlich ebenfalls der Fakt, dass ich als Frau in eine &#8220;M\u00e4nnerdom\u00e4ne&#8221; reingehe und ich dort M\u00f6glichkeiten haben werde etwas zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Hat dich Technologie und\/oder Programmieren schon immer interessiert?<\/strong><br \/>\n<strong>Josefine:<\/strong> Ehrlich gesagt jein. Technologie hat mich schon immer auf eine Art begeistert, dass ich immer das neuest vom neuen haben wollte und Softwareupdates und neue Betriebssysteme spannend fand. Aber meine &#8220;Technische Grundlagen des Internets&#8221;-Kurs in der Uni fand ich damals zum einschlafen und zu &#8220;nerdig&#8221;. Auch Informatik-Unterricht in der Schule fand ich nur cool, weil wir in den Computerraum durften und ich Solit\u00e4r spielen konnte. Alles andere hat mich fr\u00fcher nicht die Bohne interessiert.<\/p>\n<p><strong>WIT: Haben deine Eltern und Lehrer deine Vorliebe und dein Interesse f\u00fcr Computer gef\u00f6rdert?<\/strong><br \/>\n<strong>Josefine:<\/strong> Meine Eltern sind beide weder Techis, noch in ihren Jobs besonders digital unterwegs. Jedoch haben sie mich immer in meiner Ausbildung und Jobfindung unterst\u00fctzt und sind stets an meinen Themen interessiert, auch wenn sie meist nur oberfl\u00e4chlich verstehen, worum es geht. Alles in allem denke ich aber, dass sie stolz auf meinen Werdegang sind.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Was gef\u00e4llt dir an deiner T\u00e4tigkeit am meisten?<\/strong><br \/>\n<strong>Josefine:<\/strong> Bei meiner Arbeit im l\u00e4ndlichen Raum mit den Kinder und Jugendlichen wird mir immer wieder bewusst, wie niederschwellig Programmieren doch ist und wie viel Freude es bereiten kann. Ich bin immer wieder total begeistert, wie schnell Kinder und Jugendliche lernen und wie intuitiv sie mit dem Computer umgehen.<br \/>\nDer Austausch mit Menschen in einer \u00e4hnlichen T\u00e4tigkeit wie meiner inspiriert mich immer wieder und ich bin begeistert von den vielen Initiativen, die es Kindern und Jugendlichen erm\u00f6glicht sich mit technischen Themen auseinanderzusetzen und technisches Know-How zu erlangen. Es gibt mir eine unglaubliche Befriedigung zu wissen, dass ich mit meiner T\u00e4tigkeit nachhaltig positiven Einfluss nehme und meine Begeisterung f\u00fcr Tech Themen nicht nur an die Teilnehmer meiner CoderDojos weitergeben kann, sondern auch meine Kollegen und meine Freunde mit in den Bann technischer Themen ziehen kann.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Was ist f\u00fcr dich das Sch\u00f6nste an deinem Arbeitsalltag?<\/strong><br \/>\n<strong>Josefine:<\/strong> Meine T\u00e4tigkeit hat einen Neuigkeitscharakter f\u00fcr den l\u00e4ndlichen Raum und es gibt wenige vergleichbare Angebote, was immer wieder dazu f\u00fchrt, dass Menschen und andere Kommunen von unserer Arbeit begeistert sind und Interesse an einer Umsetzung in ihrer Kommune bekunden. Der Pioneercharakter und die Weiterentwicklungsm\u00f6glichkeiten sind f\u00fcr mich das spannendste an meiner Arbeit. Selber gestalten zu k\u00f6nnen und Menschen von Technologie zu begeistern.<\/p>\n<p><strong>WIT: Wo findet man dich in der Freizeit am ehesten?<\/strong><br \/>\n<strong>Josefine:<\/strong> In meiner Freizeit findet man mich am ehesten drau\u00dfen. Ich wohne in Berlin Mitte und finde es herrlich am Wochenende mit meinem Rennrad Ausfl\u00fcge aufs &#8220;Land&#8221; zu unternehmen. Mit 30 km\/h an den Feldern lang zu heitzen gibt mit ein unglaubliches Gef\u00fchl von Freiheit und Weite, dass ich unter der Woche im Homeoffice in Berlin Mitte sehr vermisse. Sobald der Lockdown vorbei ist findet man mich sicherlich auch in Caf\u00e9s und an der Bar.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Welche Botschaft m\u00f6chtest du Frauen oder M\u00e4dchen mitgeben, die sich f\u00fcr Technik interessieren?<\/strong><br \/>\n<strong>Josefine:<\/strong> Ich m\u00f6chte das Bild von &#8220;Technik ist etwas f\u00fcr Nerds&#8221; und &#8220;Techis sehen nie das Tageslicht&#8221; aufbrechen und zeigen, dass man Informatik nicht als kleines Kind im Keller gelernt haben muss, sondern auch durch Weiterbildung und als &#8220;lateadopter&#8221; Programmieren lernen kann.<br \/>\nDer Job als Developerin ist wahnsinnig gut mit einem Familienleben vereinbar und es fehlt an vielen Stellen in der Tech-Branche an weiblichen Einfl\u00fcssen. Codes wurden bislang vermehrt von M\u00e4nnern geschrieben und entwickelt. Das gilt es aufzubrechen und Codes diverser zu machen.<\/p>\n<p><strong>WIT: Welchen Ratschlag verfolgst du bis heute?<\/strong><br \/>\n<strong>Josefine:<\/strong> Man lernt nie aus.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Frauen in technischen Berufen sind ja leider noch eine Minderheit. Was sind deine Gedanken mit diesem Thema?<\/strong><br \/>\n<strong>Josefine:<\/strong> Ich m\u00f6chte M\u00e4dchen und Frauen dazu ermutigen in technische Berufe zu gehen und zu einem Studium oder einer Ausbildung im IT Bereich ermutigen. Ich bin mir aber noch nicht ganz sicher, wie ich das am besten und am nachhaltigsten hinbekomme. Daran arbeite ich gerade noch.<\/p>\n<p><strong>WIT: Was verbindet dich mit Frauen in der Technik?<\/strong><br \/>\n<strong>Josefine:<\/strong> Ich denke uns alle verbindet, dass wir Frauen in der Technik sind. Wir sind noch unterrepr\u00e4sentiert und m\u00fcssen uns gegenseitig ermutigen diesen Weg einzuschlagen und uns vernetzen. Wir sollten als Rolemodels f\u00fcr J\u00fcngere auftreten und auch M\u00e4nner in der Technik davon \u00fcberzeugen, dass wir was auf dem Kasten haben.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Wohin m\u00f6chtest du dich zeitnah beruflich und pers\u00f6nlich weiter entwickeln?<\/strong><br \/>\n<strong>Josefine:<\/strong> Ich m\u00f6chte mich noch intensiver mit Informatik auseinandersetzen und strebe daher einen Masterstudium im Informatikbereich an. Ich m\u00f6chte mich noch st\u00e4rker als Rolemodel positionieren und mich noch st\u00e4rker mit anderen Frauen in der Tech-Welt vernetzen.<\/p>\n<p><strong>WIT:<\/strong> <strong>Wer sind deine pers\u00f6nlichen oder beruflichen Role Models?<\/strong><br \/>\n<strong>Josefine:<\/strong> Meine Mutter, Verena Pausder, Anke Domscheit-Berg, Steve Jobs.<\/p>\n<p><strong>Vielen Dank f\u00fcr das Interview, Josefine!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WIT: Hallo, Josefine, bitte erz\u00e4hle uns doch einmal kurz von dir pers\u00f6nlich. Josefine: Ich bin Josefine, bin 29 Jahre alt und erlebe gerade meine besten Jahre vor der 30 im Corona-Lockdown. 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