Interview mit Kerstin Tschernigg

WIT: Hallo, Kerstin, bitte erzähle uns doch einmal kurz von dir persönlich.
Kerstin: Ich bezeichne mich selbst als MegaLearner, da ich es zu meinem Ziel gemacht habe, neben meinem Vollzeitberuf und meinem 11-Monate-jungen Baby multiple Studien zu bewältigen (PhD in Environmental Communications, MA in Communications for Development, MA Gender Studies and Change, BSc in Astronomy) und digitale Volontärin zu sein (z. B. United Nations, Women in Aerospace Europe). Ich werde 2022/2023 sechs Monate im globalen Medienteam von der Europäischen Südsternwarte verbringen, plus alle vorhin angeführten Aktivitäten.

WIT: Was machst du beruflich?
Kerstin: Ich bin Digital Activation Lead EMEA und Delivery Product Manager (Global Function) bei der globalen Employer Branding-Agentur Universum.

WIT: Was genau versteckt sich hinter deiner Berufsbezeichnung?
Kerstin: Ich finde neue Wege, um die Employer Brand von Fortune 500-Unternehmen mit datenbasiertem Messaging und passgenauem Zielgruppentargeting auf Social Media zu aktivieren. Ich leite ein Team von 1 FTE und 3 PTE in Schweden.

WIT: Wie bist du dazu gekommen, einen technischen Beruf zu wählen?
Kerstin: Mein Traumberuf ist innerhalb von STEM und Space Communications. Ich bin Senior Communicator mit einem MA- und BA-Studium in Internationalem Journalismus. Ich träume davon, Menschen mit spannenden Geschichten zu den neuesten Spacetechnologien und Forschungserkenntnissen zu begeistern.

WIT: Wer oder was hat dich am meisten inspiriert, einen technischen Beruf zu wählen?
Kerstin: Ich berate globale Unternehmen darin, ihre Stories zu Tech-Talenten optimal zu platzieren. Das hat in mir das Feuer entfacht, zum MegaLearner zu werden.

WIT: Hat dich Technologie und/oder Programmieren schon immer interessiert?
Kerstin: Die Mathematik hat mich immer fasziniert.

WIT: Haben deine Eltern und Lehrer deine Vorliebe und dein Interesse für Computer gefördert?
Kerstin: Ich komme aus einer hart arbeitenden Familie, aus der ich die Erste war, die eine weiterführende Schule und eine Universität besucht hat. Meine Eltern haben mich sehr darin gefördert, mich für die damals typischen “Männertätigkeiten” zu interessieren.

WIT: Was gefällt dir an deiner Tätigkeit am meisten?
Kerstin: Globale Unternehmensleader in STEM in den Kommunikationsaktivitäten zu beraten und sie für spannendes Storytelling zu begeistern. Ich erlebe unheimliches Vertrauen in meine Fähigkeiten. Dieses Gefühl toppt nichts.

WIT: Was ist für dich das Schönste an deinem Arbeitsalltag?
Kerstin: Die Interaktion mit globalen Technologieunternehmen. Ich sauge jedes Feedback und jeden Input auf. Für dieses Privileg bin ich so dankbar.

WIT: Wo findet man dich in der Freizeit am ehesten?
Kerstin: Mit Astronomiebüchern im Garten und beim Welterklären mit meiner kleinen Tochter.

WIT: Welche Botschaft möchtest du Frauen oder Mädchen mitgeben, die sich für Technik interessieren?
Kerstin: Go for it. Mach genau das, was dich interessiert und nicht das, was du glaubst, bringt dir das meiste Geld. Du sollst bis weit ins hohe Alter für deine Tätigkeit brennen, ohne jemals das Gefühl zu haben, dass du nicht gearbeitet hast, sondern von Tag 1 Impact hattest.

WIT: Welchen Ratschlag verfolgst du bis heute?
Kerstin: Dankbarkeit. Dankbarkeit für das, was ich täglich lernen darf.

WIT: Welchen Herausforderungen begegnest du als Frau in deinem Beruf?
Kerstin: Ich arbeite oft zu 80-90% C-Suite-Stakeholdern und Heads of. Sich dort als noch relativ junge Expertin zu positionieren – verwunderlicherweise bei weiblichen Stakeholdern – ist noch immer nicht leicht.

WIT: Welche Tipps hast du für Bewerbungsgespräche für technische Positionen?
Kerstin: Dreht die Frage um und lasst zu, dass euch die Talente interviewen. Geht weg von “Was wir von dir wollen” zu “Dies können wir dir bieten”. Performance thrives in a positive environment.

WIT: Frauen in technischen Berufen sind ja leider noch eine Minderheit. Was sind deine Gedanken zu diesem Thema?
Kerstin: Es tut sich etwas. Ich nehme als digitale Volontärin an sehr vielen Gesprächen mit Experten in der Spaceindustrie teil und Frauen unterstützen Frauen. Diese positiven Interaktionen sollten im Storytelling vermehrt nach außen getragen werden. Es braucht auch mehr weibliche Mentorinnen.

WIT: Was verbindet dich mit Frauen in der Technik?
Kerstin: Die Liebe zur Neugierde, jeden Tag aufs Neue.

WIT: Bitte beschreibe eine schwierige Situation, der du in deinem Beruf in der Vergangenheit begegnet bist.
Kerstin: Ich musste über die Jahre oft beobachten, wie sehr Frauen gegen Frauen hetzen und sich, sobald ein Mann den Raum betritt, um 180 Grad drehen. Dies zu beobachten ist nach wie vor sehr schwer für mich.

WIT: Wohin möchtest du dich zeitnah beruflich und persönlich weiter entwickeln?
Kerstin: Ich möchte meine Expertise in Kommunikationsthemen in die Space- und Technologiewelt einbringen.

WIT: Wer sind deine persönlichen oder beruflichen Role Models?
Kerstin: Die globalen Kommunikationsteams bei CERN, ESO, ESA, und NASA.

WIT: Vielen Dank für das Interview, Kerstin!

Categories: Interviews
Regina
Web-Developer mit Leidenschaft und große Shakespeare-Liebhaberin.

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